Alle Beiträge von Christian Otto

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PTP – was ist denn das?

Wir, die dualen Studenten, möchten Euch/Sie über unser Ausbildungssystem und im Speziellen die dazugehörigen Praxistransferprojekte („PTP“) informieren.

Das duale Studium

Das duale Studium zeichnet sich dadurch aus, dass zwei Lernorte – Hochschule und Betrieb – miteinander verknüpft werden, um das Berufsumfeld und die aufkommenden Probleme verstehen zu können.

Wir verbringen unsere Theoriephase an der Hochschule Osnabrück am Campus Lingen, unsere Praxisphasen hier im Unternehmen.

Eine Theoriephase geht über ca. zehn Wochen, danach wenden wir diese erlernten Theorien in der Westfalen Gruppe an. Dieser Rhythmus findet in stetem Wechsel statt, sodass wir insgesamt sechs Theorie- und sechs Praxisphasen durchlaufen.

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Die Praxistransferprojekte

Um die beiden Phasen optimal zu verknüpfen, fertigen wir während unserer Praxisphasen in jedem Modul (=Fach) aus den Kernbereichen Management, Finance, Accounting und Marketing ein Praxistransferprojekt an. Diese haben den Zweck, das gelernte theoretische Wissen im Betrieb zu erkennen und Impulse für Verbesserungen oder Veränderungen zu liefern. Dazu fertigen wir eine Ausarbeitung zu einem definierten Thema an.  

Zum Beispiel wird gerade an einem Praxistransferprojekt im Modul Marketingpolitiken unter dem Gesichtspunkt der Marke Westfalen gearbeitet. Hierbei werden die unterschiedlichen Aspekte wie Name, Logo, Bilder, Personifizierungen, Symbole und Slogan berücksichtigt. Der Schwerpunkt des PTP wird beim Slogan liegen, da dieser aktuell nicht vorhanden ist. Innerhalb dessen werden Vor- und Nachteile der Einführung eines möglichen Slogans abgewogen und mittels einer wissenschaftlichen Literaturrecherche fundiert.

Um Ausarbeitungen dieser Art mit Inhalt zu füllen, brauchen wir die Hilfe unserer Kollegen. Denn wir wollen mit unseren Ausarbeitungen einen Mehrwert für das Unternehmen schaffen.

Hilfe? Wie ist das zu verstehen?

Um Themen für die PTPe zu finden,  benötigen wir Informationen über aktuelle Arbeitsprozesse und mögliche Verbesserungsansätze, die wir dann mittels einer Literaturrecherche ausarbeiten.   

Grundgedanke ist es, durch Eure/Ihre Anregungen ein interessantes PTP schreiben zu können. Das hilft Euch/Ihnen und das hilft uns, denn Themen zu finden ist nicht immer leicht. Dazu fehlen uns oft ausreichende Einblicke in die Arbeit und Prozesse der verschiedenen Bereiche des Unternehmens.

Wir wissen um die Vertraulichkeit von Daten und es ist besonders im Interesse der Hochschule, diese entsprechend zu behandeln. Ohne Sperrvermerk wird kein PTP an die Dozenten weitergegeben.

Bei Interesse geben wir unsere Ausarbeitungen gerne an Euch/Sie weiter, denn sie sind auf Eure/Ihre Abteilung abgestimmt.

Wenn Ihr/Sie Fragen an uns habt/haben, freuen wir uns über Feedback. 

Viele Grüße
Eure dualen Studenten 

Christian Otto, Katharina Lensing, Jasmin Piosczyk, Simon Knapheide & Lukas Lesting

Header-Bild: Fotolia  #130194346 | Urheber: jcomp

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Westfalen statt Weltreise

Moin Moin, hieß es jeden Morgen wenn ich aus meiner Kajüte hoch auf die Brücke oder runter in die Maschine ging. Mein Name ist Christian Otto, 22Jahre jung, gebürtig aus Celle nahe Hannover, aufgewachsen mit Schwester, Mutter, Vater, Hund – Eine ganz normale Jugend.

Was mich damals bewegte, vor meinem dualen Studium zum Wirtschaftsingenieur bei der Westfalen AG, eine Ausbildung zum „Schiffsmechaniker“, oder klassischer zum „Seemann“, zu absolvieren? Neben dem technischen Reiz eines Schiffes wollte ich nach 12 Jahren Schule und 18 Jahren Elternhaus einfach mal was erleben. Fremde Kulturen kennen lernen und die Welt bereisen mit Sonne, Strand und Meer.

Mein erster Einsatz führte mich per Flieger, zusammen mit sieben anderen Auszubildenden, direkt in die chinesische Metropole Hongkong. Kaum angekommen und von der stickigen, trüben Luft, bei der die Sonne nur noch schemenhaft erkennbar war, überrascht, ging es nach einer kurzen Nacht ohne Umwege an Bord der „Monte Tamaro“. Das ca. 270m lange Containerschiff war extra als Ausbildungsschiff für die neuen „Leichtmatrosen“ umgerüstet worden. In einer eigenen Werkstatt lernten wir Schweißen, Feilen und Schrauben. So vergingen die ersten Wochen und Monate, trotz nerviger Seekrankheit, aber mit spannenden Landgängen wie im Flug. Nachdem wir in Busan (Südkorea), als letztem Hafen an der asiatischen Küste, abgelegt hatten, ging es auf unsere erste Ozeanüberfahrt Richtung Mexico.

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Da auch für Reeder der Kraftstoff teuer ist, „tuckerten“ wir knapp 18 Tage lang übers Meer. Angenehme Unterbrechung zum Alltagstrott in dieser Zeit war das traditionelle Grillen, welches auf nahezu allen Schiffen der Reederei während der Überfahrt stattfand. Angekommen und kaum an der Pier angelegt, drängten wir uns auch schon von Bord ab in die Hafenstadt Manzanillo (Urlaubstipp!). Neben leckerem Seafood und Caipis hatte ich endlich meine fremde Kultur am gefühlt anderen Ende der Welt mit Sonne, Strand und Meer gefunden.

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Leider ging es schnell wieder weiter über die südamerikanische Küste bis nach Valparaiso (Chile) als südlichstem Punkt zurück nach China. Dort fuhren wir für 12 Tage in Guangzhou in die Werft ein. Hier sahen wir das Schiff zum ersten Mal in seinen ganzen Ausmaßen. Besonders die riesige Schiffsschraube ist mir in Erinnerung geblieben. 

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Die Reise endete nach einer weiteren Rundfahrt und insgesamt 5 Monaten in Südkorea. Von Seoul flogen wir unserem ersehnten Urlaub entgegen.  Auf der zweiten, dritten und vierten Reise, bei denen ich auf knapp 18 Monate reine Seefahrtszeit kam, ging es auf die Europa- Südamerika Route, auf die Süd- Mittel- und Nordamerika Route sowie ein weiteres Mal auf die pazifische Route des ersten Einsatzes.  Damit ich aber in diesem Blogbeitrag nicht in nostalgischen Auswüchsen aufgehe, möchte ich nur noch auf einige Highlights eingehen. :-)   Eines davon war mit Sicherheit die auf dem ersten Einsatz versäumte, berühmt-berüchtigte Äquatortaufe. Ein scharfer Blick auf den Horizont durch mit Salzwasser gefüllte Flaschen, Fischaugensandwichs auf der Speisekarte und so einiges mehr gehörten zu unseren zu absolvierenden Prüfungen, um von Neptun höchstpersönlich – ganz dem Ritual entsprechend- vom nordischen Schmutz gereinigt zu werden.

Ein anderes war die Konstruktion und Umsetzung einer Hollywoodschaukel zusammen mit meinem Azubi- Kollegen. Nach kreativer, selbstständiger Planung der verstellbaren Rückenlehne, des selbst genähten Sonnenschutzes sowie des Gerüstes per se, schweißten, flexten und hämmerten wir bis die Schaukel endlich stand. – Bei starkem Seegang ein großer Spaß!

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Neben all diesen schönen Erlebnissen hat die Seefahrt natürlich auch ihre Schattenseiten. 62 Stunden Wochen, kurze Schlafzyklen zwischen den Häfen und besonders die lange Zeit fern der Heimat ließen mich den Entschluss fassen, diesen Beruf zukünftig nicht weiter auszuüben.

Dennoch weiter technisch und wirtschaftlich interessiert, bewarb ich mich bereits vor Beginn meines letzten Einsatzes bei der Westfalen AG zum dualen Studium des Wirtschaftsingenieurswesens. Nach nun cirka 10 Monaten im Betrieb kann ich sagen: Es gefällt mir sehr gut!

Bereits nach kurzer Zeit im Unternehmen ging es für mich in die Hochschule Osnabrück mit Standort Lingen. Das 10 wöchige- Semester war zwar anstrengend und zeitintensiv, jedoch vergingen die Wochen, motiviert vom großen Pensum an neuen Lerninhalten und der Zusammenarbeit mit den Kommilitonen, rasch. Auch in der folgenden Praxisphase in der Gase- Technik bei Westfalen ging es mir ähnlich.

Durch hilfsbereite und engagierte Kollegen lernte ich viel über betriebliche Vorgänge und Strukturen. Selbstständige Aufgaben und einige Tage auf Montage rundeten die 12 Wochen Praxis perfekt ab.  Inzwischen – nach absolviertem zweiten Semester und einigen Abteilungen mehr – gefällt es mir noch immer gleich gut!

Angenehme Betriebsatmosphäre und freundlicher Umgang unter den Kollegen erleichtern morgens das Aufstehen und den Gang zur Arbeit. Besonders aber gefallen mir die überwiegend selbstständige Arbeit sowie die Erfahrungen, welche ich im Zuge der sogenannten Praxistransferprojekte (kurze, schriftliche Ausarbeitungen eines Praxis- Theorie Bezuges), im Gespräch mit den jeweiligen betrieblichen Ansprechpartners sammeln kann. 

In dem Sinne bin ich guter Dinge, dass die verbleibenden zwei Jahre des dualen Studiums genauso gut und lehrreich verlaufen werden.

Freundliche Grüße und immer eine Handbreit Wasser unterm Kiel
Christian Otto