Alle Beiträge von Christian Speicher

Ich bin seit 1991 bei der Westfalen AG im Bereich Energieversorgung als Anwendungstechniker tätig. Meine Aufgabe besteht unter anderen in der technischen Beratung, Planung, Errichtung und Inbetriebnahme von Flüssiggas-Anlagen. Mein Schwerpunkt liegt im Gewerbe und Industriebereich.
Aktenstapel

Was ist eigentlich ein BImSchG-Antrag?

Hört sich kompliziert an und ist auch etwas kompliziert: Ein BImSchG-Antrag ist „ein Antrag nach dem Bundes-Immissionsschutzgesetz für genehmigungsbedürftige Anlagen“.

Mit Hilfe dieses Gesetzes sollen schädliche Umwelteinwirkungen durch Emissionen in Luft, Wasser und Boden vermieden und/oder vermindert werden. 

Das Genehmigungsverfahren  ist sehr anspruchsvoll,  weil darin sämtliche Umweltauswirkungen einer Anlage berücksichtigt werden müssen.

Ein Beispiel aus der Praxis

Die Stadtwerke Kusel, langjähriger Kunde der Westfalen Gruppe, erweitert aktuell das im Ortsteil Mayweilerhof vorhandene Gasversorgungsnetz. Der dafür notwendige Tank kommt von Westfalen. Es handelt sich um einen unterirdischen  25.000-Liter Flüssiggasbehälter, der  15 Einfamilienhäuser mit Gas versorgt. Auch die für die Bauzeit notwendige Notversorgung wurde von Westfalen realisiert. 

Erstellung der Antragsunterlagen

Für die Neuerrichtung bestimmter Anlagen erfolgt das Genehmigungsverfahren entweder mit oder ohne Öffentlichkeitsbeteiligung.  

Bei besonders umweltrelevanten Anlagen ist ein Verfahren mit Öffentlichkeitsbeteiligung durchzuführen. Die betroffenen Anwohner der Anlage sowie die Umweltverbände haben die Möglichkeit, sich aktiv in die Genehmigungsverfahren einzubringen und Bedenken gegen das Vorhaben vorzutragen (Verfahrensart „G“).

Für andere Neuanlagen sieht das Genehmigungsverfahren keine Öffentlichkeitsbeteiligung vor (Verfahrensart „V“ vereinfachtes Verfahren). 

Für „unseren“ Flüssiggasbehälter war ein BImSch Antrag  nach Verfahrensart „V“ (vereinfachtes Verfahren) zu stellen. Vereinfachtes Verfahren heißt  aber nicht, dass es für uns als Antragssteller einfach ist.

Es müssen Zeichnungen angefertigt und eine genaue Betriebsbeschreibung erstellt werden, Berechnungen angestellt und weitere projektbezogene  Informationen dem Antrag zugefügt werden. Allein die behördlich zu bearbeitenden Unterlagen in unserem Fall umfassen schon 25 Seiten.  Sind alle erforderlichen Unterlagen zusammengestellt, kommen wir auf stolze 80 Seiten.  Diesen Antrag verlangt dann die Behörde in 9-facher Ausfertigung. Zahlreiche Behördengänge runden das Ganze ab.  :-)

Nach Einreichung der Antragsunterlagen an die zuständige Genehmigungsbehörde erteilt diese die Genehmigung zu Errichtung und Betrieb des Flüssiggasbehälters. Allerdings nicht sofort. Vom Einreichen der Antragsunterlagen bis zur Genehmigung kann es bis zu sechs Monate dauern, in einigen Fällen sogar länger.

Unsere langjährige  gute Zusammenarbeit mit den Behördenvertretern hat uns schließlich geholfen, das Genehmigungsverfahren nach fünf Monaten abzuschließen.

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Am 08.12.2016 haben wir den unterirdischen 25.000-Liter  Flüssiggasbehälter eingelagert.

Die Stadtwerke Kusel waren mit der Beratung durch uns, unserer Planung und der Begleitung des Genehmigungsverfahrens sowie der Ausführung der Arbeiten sehr zufrieden. 

Viele Grüße
Christian Speicher

 

Header-Bild: Fotolia #63100361 | Urheber: rdnzl

Waschtisch mit Spiegel und Handtchern Krperpflege

Kraftwerk im Keller

Heizung, Warmwasser und Strom sind Dinge, die den meisten Europäern für das tägliche Leben ständig zur Verfügung stehen. Morgens, wenn wir aufstehen, ist die Wohnung mollig warm. Im Bad angekommen, drehen wir den Wasserhahn auf. Wunderbar: Das Wasser ist warm. Nach dem Duschen werden die Haare geföhnt. Die Wärme  und das warme Wasser werden durch einen Heizkessel im Keller geliefert,  der Strom kommt aus der Steckdose.

Ganz so ist es aber nicht: Der Strom wird in Kraftwerken produziert, die viele Kilometer entfernt sind und über lange Erdkabel zu uns gebracht und auch der Brennstoff für den Heizkessel muss angeliefert und eventuell gelagert werden. Verlustfrei geht das nicht von statten: Bei der Übertragung über Fernwärme- oder Hochspannungsleitungen geht viel Energie verloren.

Und hier zeigt sich der große Vorteil der Lösung, die das Thema meines heutigen Blogbeitrages ist: Blockheizkraftwerke erzeugen die benötigte Energie direkt vor Ort, nämlich zum Beispiel in Ihrem Keller. 

Energie selbst erzeugen

Ein Blockheizkraftwerk (BHKW) ist ein kleines Kraftwerk. Es vereint Wärme- und Stromerzeugung  in einem Gerät. Mit Blockheizkraftwerke lassen sich Strom UND Wärme produzieren. Übertragungsverluste durch den Transport von Energie werden vermieden. 

Das Prinzip ist einfach

Bei der Erzeugung  von Strom durch das Verfeuern von Brennstoffen entsteht vor allem Wärme. Die kann direkt im Haus eingesetzt werden. Ein BHKW stellt also Wärme und Strom bereit – und das mit einem überragenden Wirkungsgrad.

BHKWs werden z. B. mit Flüssig- oder Erdgas betrieben. Die entstehende Wärme wird zunächst in einen Pufferspeicher geleitet. Dieser versorgt dann die Heizkörper im Haus mit Wärme und kann für die Erwärmung des Brauchwassers genutzt werden.

Bei der Verbrennung wird mittels eines Generators Strom erzeugt. Dieser Strom kann entweder direkt genutzt oder gegen eine Vergütung ins öffentliche Stromnetz eingespeist werden.


Eingesetzt werden BHKWs in Ein- und Mehrfamilienhäusern, im Gewerbe, in der Industrie und in der Landwirtschaft.Staatliche Fördermaßnahmen machen den Einbau eines BHKWs sehr interessant.

Ein Beispiel aus der Praxis

Einsatzort Landwirtschaft

In Zusammenarbeit mit unseren Partnern, der Firma Büttner und der Glenk GmbH, haben wir den Auftrag zur Errichtung einer solchen Anlage bei einem Schweinezuchtbetrieb in Ostrach bei Ravensburg erhalten.

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Die Westfalen AG stellt bei diesem Projekt mit einem unterirdischen Großbehälter (Füllmenge von 50.000 Liter) die Gasversorgung sicher.

Zum Einsatz kommt ein BHKW NG30 von  ETZ mit einer Leistung von 30 kWel (elektrisch) und 63 kWth (thermisch). Der erzeugte Strom wird ausschließlich für den Eigenbedarf genutzt. Die entstehende Wärme wird in einen 2000 Liter Pufferspeicher geleitet und dann zur Versorgung der 200 Abferkelbuchten und im Aufzuchtbereich für die Fußbodenheizung genutzt.

Zur Abdeckung der Spitzenlast sind zwei Gasbrennwertgeräte von je 110 kW eingebaut. Die Investitionskosten belaufen sich auf ca. 100.000 €.

Vielleicht passt ein BHKW auch in Ihren Keller?

Die „Heizung, die auch Strom erzeugt“ gibt es in verschiedenen Leistungsgrößen von Nano- und Mikro-BHKW für Ein- und Mehrfamilienhäuser bis hin zu Großanlagen für zum Beispiel  industrielle Anwendungen. Meine Kollegen und ich informieren Sie gerne näher zu diesem interessanten Thema. 


Viele Grüße
Christian Speicher

 Header Bild:  #96247875 | Urheber: photowahn