Alle Beiträge von Josef Fohrmann

Seit Januar 1992 bei der bin ich bei der Westfalengruppe als Anwendungstechniker (AWT) im Bereich Energieversorgung tätig. Meine Aufgaben bestehen unter anderem in der technischen Beratung, Planung, Errichtung und Inbetriebnahme von Flüssiggas-Anlagen. Meine Themenschwerpunkte liegen in der Landwirtschaft.
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Frittieren mit Westfalengas

Bei dieser Überschrift hat jeder direkt die Fritteuse, die sich in fast jedem Haushalt befindet, oder vielleicht die Fritteuse in der „Pommesbude“ vor Augen.

Die Fritteuse aber,  über die wir heute berichten möchten, ist größer, viel größer. Ungefähr 1.700-mal so groß wie eine haushaltsübliche Fritteuse. Mit einer Anschlussleistung von 2.500 kW (2,5 MW) gehört diese Fritteuse zu einem Betrieb der Lebensmittelindustrie in Süddeutschland.

Um ein solches Energiemonster mit Futter zu versorgen ist Spezialwissen gefragt. Ganz klar ein Fall für unsere Anwendungstechniker im Bereich Energieversorgung.

Bild 1_Behälter am KranNach einigen technischen Berechnungen und der Information des späteren Auftraggebers, eventuell noch eine zweite Fritteuse dieser Größenordnung anschließen zu wollen, entschlossen wir uns für den Einsatz eines Flüssiggaslagerbehälters mit einem Füllvolumen von 60.000 Litern.
Dieser Behälter würde ausreichen um rund 25 Einfamilienhäuser für ein Jahr mit Energie zu versorgen. Er ist 13,5 m lang und hat einen Durchmesser von 2,5 m.

Solch einen großen Behälter kann man natürlich nicht einfach irgendwo eingraben. Es ist ein aufwändiger Erlaubnisantrag notwendig, der durch die Anwendungstechniker erstellt, bei den zuständigen Behörden eingereicht und durch uns begleitet werden muss.
Erst wenn das „OK“ der Behörden vorliegt kann mit dem Projekt in der Praxis begonnen werden.Bild 2_offener Domschacht

Auch ein Flüssiggaslager-behälter dieser Größenordnung kann eine solch gewaltige Anschlussleistung aus eigener Kraft nicht versorgen. Er würde nach relativ kurzer Zeit in der Erde einfrieren. Die Kälte entsteht bei der Verdampfung des Gases. Also bei dem Übergang vom flüssigen in den gasförmigen Zustand. Ohne weitere Maßnahmen würden die Fritteusen nicht zuverlässig mit Flüssiggas versorgt.

Um die Versorgung auf „sichere Beine“ zu stellen wird ein sogenannter Verdampfer benötigt.
Bild 3_ Container mit VerdampferanlageVom Funktionsprinzip kann ein Verdampfer mit einer E-Zigarette verglichen werden. Auf der einen Seite  befindet sich Flüssigkeit, Energie in Form von Wärme wird hinzugegeben,  auf der anderen Seite entsteht Dampf. 
Auf unsere Fritteuse übertragen heißt das: dem Lagerbehälter wird Flüssiggas aus der Flüssigphase entnommen und dem Verdampfer zugeführt. Dort wird das Gas erwärmt und so vom flüssigen in den gasförmigen Zustand überführt.

Bild 4_Innenanlage mit Warmwassererzeuger_Rohre und SchaltkastenSo werden aus einem Liter flüssigen Gases rund 260 Liter Gasphase. Die Energie die zum Verdampfen notwendig ist, wird extern über eine Warmwassertherme mit einer Heizleistung von 90 kW bereitgestellt.
Auf diese Weise kann ein Flüssiggasmassenstrom
von 400 kg/h vom flüssigen in den gasförmigen Zustand überführt werden. Das entspricht einer möglichen Anschlussleistung von 5.150 kW (5,15 MW), die mit Hilfe des Verdampfers versorgt werden können.

Oder einer äquivalenten Leistung von 515.000 Stück E-Zigaretten.

Also noch genügend Potential für eine zweite Fritteuse mit identischen Daten.
Bild 5_Frittierölerwärmungsanlage_FritteuseDie Flüssiggasanlage arbeitet seit Juli 2014 störungsfrei und hat einen Jahresverbrauch von gut 214.500 Litern. 

Anlagen dieser Größenordnung sind für Kunden immer dann von Interesse, wenn in Industriegebieten keine Erdgasversorgung vorhanden ist, oder wenn die vorhandene Erdgasversorgung die zusätzliche Leistung nicht, oder nur mit sehr hohem technischen Aufwand versorgen kann.

Viele Grüße
Josef Fohrmann, Friederich Schöll


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