Alle Beiträge von Ricardo Santos

Seit 2014 arbeite ich im IT-Support der Westfalen Gruppe. Ich bin einer der ersten Ansprechpartner und gebe immer mein Bestes, eine gute Lösung für die IT-Probleme der Kollegen zu finden.
Cables, red flashing lamps and connectors

Der ganz normale Wahnsinn

Wahnsinn: Laut Wortdefinition ist dies primär eine Beschreibung für eine geistige Verwirrung, die krankhaft ist oder eine sehr unvernünftige bzw. unverständliche Sache .

Man kann also sagen, dass alle IT’ler wahnsinnig sind, denn für den Normalsterblichen reden wir immer über unvernünftige oder unverständliche Sachen.

Dabei ist es eigentlich gar nicht so schwer zu verstehen.

Jeden Tag arbeiten die Mitarbeiter der IT daran, den Berg des Wahnsinns zu erklimmen und ihn zu meistern.

Es gibt unzählige Irrungen und Wirrungen auf dem Weg zum Gipfel. Ähnlich wie Odysseus kämpfen wir uns immer wieder durch die Verlockungen der Sirenen im Betriebsrestaurant und besiegen die feuerschnaubenden Stiere der Stakeholder, die sich uns in den Weg stellen, um  die Kaffeemaschine zu erreichen.

Jeder in der IT bringt für die vielfältigen Aufgaben seine eigenen und ganz besonderen Fähigkeiten mit.

Die Applikationsmanager, die mit einem Fingerzeig ganze IT-Infrastrukturen erschaffen können, als würde jemand das sagenumwobene Atlantis aus der Tiefe heben. Genauso schnell können sie es aber auch wieder versenken, wenn ein Teil der mystischen Zauberformel im Quellcode fehlt.
Server room in data center. Telecommunication equipment

Dabei nutzen Sie als Quelle ihrer magischen Fähigkeiten Kaffee und Süßigkeiten und wandeln so ihre Gedanken und Phantasien in Realität um. Ein bisschen wie Green Lantern in diesem Film … Ja genau den – mit Ryan Raynolds. Der selbe Ryan Raynolds, der in Deadpool immer wieder Witze über seine grüne Vorgängerrolle reisst.

Aber zurück zum Thema. Wie gesagt, Irrungen und Wirrungen erwarten uns.

Die IT Systemmanager. Ähnlich wie das Zwergenvolk in Herr der Ringe sind sie zähe und begabte Handwerker und Meister ihres Fachs. Alles was sie anfassen, ist von unschätzbarem Wert und wird auf edelste Art verarbeitet.

In der heiligen Höhlenstadt Rechenzentrum bewegen sie Daten hin und her, jonglieren, oder konsultieren für unlösbare Fragen das Orakel von Schlee.

Das Orakel von Schlee



Sie sind die verlässlichen Gefährten auf dem Weg zum Gipfel des Schicksalsbergs und immer an deiner Seite, wenn die Harpyie SAP ihre Klauen nach dir ausstreckt. Sicher mögen sie manchmal etwas eigensinnig und schwer zu verstehen sein, aber sie sind die tapfersten Verbündeten, die man an seiner Seite haben kann.

 

Die IT Projektmanager kennen die phantastischen Tierwesen der IT in- und auswendig und wissen genau, wo die Ressourcen der Stakeholder zu finden sind. Dabei scheuen Sie keine Mühen. Auch der flinke Niffler hätte keine Chance, ihrem wachen Auge zu entgehen.

Sie sind die Parselmünder der IT, die die Sprache der Fachabteilungen sprechen und versuchen, zwischen dem Zwergenvolk der IT Systemmanager, den mystischen Applikationsmanagern und den Stieren der Stakeholder zu vermitteln. Das alles tun sie immer mit viel Hingabe und einem Medienkoffer, der die Tür öffnet zu vielen tiefgründigen Brainstormings. 

Die IT Supporter, die mit ihrem General an vorderster Front kämpfen. Mit dem Geschick und der Kraft von Jamie Lannister werden hier passende Wordings taktiert und die edlen Damen des Hofes mit Respekt behandelt und mit Service verwöhnt.

Beim Kampf mit den Anfragen verliert der eine oder andere auch mal einen Teil von sich aber ein IT-Supporter hat den Eid geschworen, der Domäne WAG-MS und seinem König, dem Protektor des Königreichs, zu dienen.
Sword in hand. Military clothing of the pastUm diese Mammut-Aufgabe stemmen zu können, bedarf es vieler tapferer Köpfe, die sich in die Garde der IT-Supporter einreihen. Lady Schröder zum Beispiel, Sprengerin der Telefonketten und Befreierin der unterdrückten Rufnummern, Sir Wrobel als General der Königlichen Garde oder im hohen Norden des Reichs E1 Sir Appelt als standhafter Kämpfer am Wall zu Bechtle für die Vertriebs-Partner-Watch.

Dies sind einige der mutigen Gefährten, die tollkühn genug sind, immer wieder den Aufstieg auf den Berg des Wahnsinns zu wagen, ohne den Passierschein A38 in der Tasche zu haben.

Ich freue mich, als Grünseher Zeuge dieser fabelhaften Taten zu sein und dem einen oder anderen Normalsterblichen als drittes Auge der Krähe für einen Blick auf den sagenumwobenen Bereich der IT zu dienen.

Und denkt daran: Der Winter kommt!

Nein, ehrlich. Er kommt. Los, bestellt Gas in der Energieversorgung! Los!

Valar Dohaeris
Euer Ricardo Santos



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Stell es Dir vor.

Es freut mich sehr, dass Sie sich/Ihr euch die Zeit nehmt, meinen Blog-Beitrag zu lesen. Ich möchte heute aber nicht von meiner Arbeit im IT-Support der Westfalen Gruppe erzählen, sondern von meinem Hobby.

Dazu müssen wir zurück gehen in das Jahr 2012. Das Jahr, in dem Vladimir Putin erneut zum Präsidenten gewählt wurde, Obama die USA erneut für sich gewinnen konnte und Nordkorea eine Rakete in den Orbit schoss.

Für mich ganz persönlich haben sich in diesem Jahr bedeutende Weichen gestellt. Zu dem Zeitpunkt war ich noch Auszubildender zum IT-Systemkaufmann und wurde abends auf eine Party mitgenommen. Dort gab es – für mich zum ersten Mal – einen Karaoke Floor.  Und ja: ich habe mich getraut,  auf der kleinen Bühne zu singen. Zu Hause hatte ich  immer mal wieder gesungen aber nie vor Publikum und das war ein riesiger Schritt raus aus meiner Komfortzone.

Als ich also das kleine Podest herabsteige um wieder in der Masse zu verschwinden, werde ich von der Seite von zwei Mädchen angesprochen, die in einem Musicalverein sind und finden, dass ich auf jeden Fall mal an einem Mittwoch zu einer Probe erscheinen sollte. 

Ich war völlig perplex. Es gab wirklich Leute, die etwas darauf hielten, was ich da gesungen hatte! Natürlich war ich nicht nur perplex, sondern auch geschmeichelt :-) . Und so ging ich eine Woche später zu einer der Proben. Das war der Beginn meiner Mitgliedschaft im Freien Musical Ensemble Münster. Kurz FME genannt.

Jedem dem ich begegne und dem ich erzähle was ich mache, verdreht es die Augen. Oder es entlockt den Leuten ein müdes „Aha“. Vor dem geistigen Auge meiner Gesprächspartner entsteht dann wohl gerade das Bild eines vor sich hin dilletierenden Ensembles, das mit Ach und Krach eine Vorstellung über die Bühne bringt. Fremdschämfaktor inklusive. 

Davon jedoch sind wir meilenweit entfernt.  Einen kleinen Eindruck geben die beiden Videos zum 15jährigen Bestehen des FME Münster und der Trailer zu unserem letztjährigen Programm:

Gerne lasse ich hier die Gründer des FME zu Wort kommen und zitiere eine Passage aus dem Internetauftritt :

„Das Freie Musical-Ensemble Münster (FME) widmet sich der Erarbeitung von anspruchsvoller Musiktheater-Literatur. In jeder unserer Produktionen kommen 60 bis 100 Menschen aus den unterschiedlichsten Lebensbereichen, aber mit einer gemeinsamen Liebe und Leidenschaft für Musik und Theater zusammen, die sich über das normale Maß eines „Hobbys“ hinaus engagieren, um in Eigenregie eine rundum stimmige und harmonische Produktion auf die Bühne zu bringen.

Insgesamt zehn Produktionen haben wir bislang auf die Bühne gebracht und in mehr als 100 Aufführungen über 40.000 Zuschauer begeistert. Mit unseren aufwändigen und anspruchsvollen Produktionen haben wir aber nicht nur unser Publikum in den Bann gezogen, sondern auch Kritiker und Musikverlage von uns überzeugt. So hatten wir schon mehrfach die Ehre, auch deutsche Erstaufführungen auf die Bühne bringen zu dürfen.“

Willkommen ist bei uns jeder, der/die Teil eines Musicals sein möchte. Schauspieler, Musiker, Sänger, Schneider, Tontechniker, Pyrotechniker, Beleuchter und viele Berufe und Talente mehr finden sich im Ensemble des FME. 

Jeder kann mit seinen Fähigkeiten etwas beisteuern. So ziemlich jede Profession – auch Handwerker und Köche – hat sich bereits im FME wiedergefunden. Jeder darf hier sein, wie er ist und das macht das FME für mich so einzigartig und besonders. Es ist nicht mehr selbstverständlich in Zeiten von Pegida, Flüchtlingskrise, Syrienkrieg und dem Streit von Großmächten, man selbst sein zu können, ohne Vorurteile willkommen zu sein und zusammen an etwas Besonderem zu arbeiten.

Durch beständige und auch oft sehr anstrengende Arbeit ist das FME über die Jahre sehr gewachsen. Mittlerweile steht uns als professionelle Spielstätte der Waldorf Konzertsaal zur Verfügung, haben wir ein 40 Mann_Innen ( :-) ) starkes symphonisches Orchester (in dem meine/Eure Kollegin Annette Sommerhage übrigens als Hornistin mitspielt) und bis zu 50 Darsteller auf der Bühne. Eine perfekte Beleuchtung und meisterlich eingepegelter Ton sind das I-Tüpfelchen unserer Produktionen. Für die Produktionen findet kein Casting statt: Solisten, Akteure, Musiker und auch alle anderen Beteiligten sind Mitglieder des FME Münster. 

Um am Ende eines Jahres zwölf Vorstellungen spielen zu können, wird das ganze Jahr lang geprobt. Erst beginnt es mittwochs abends mit Chorproben aber schon nach kurzer Zeit kommen die Proben am Dienstagabend hinzu, bei denen meist die Choreographie mit einstudiert wird. Für die Solisten kommen Einzelproben hinzu. 

Alle für die Produktion notwendigen Arbeiten werden von uns durchgeführt. Dazu gehören das Nähen der Kostüme, das Einleuchten, das Ton pegeln, die Proben mit dem Orchester, der Bühnenbau, die Herstellung von Requisiten und noch viele, viele weitere Aufgaben, die ich hier gar nicht alle aufzählen kann.

Bei unserer aktuellen Produktion bin ich einer der Solisten, darf daher eine etwas größere Rolle spielen, singen und tanzen. Es fordert mir – wie allen anderen auch – oftmals ein Höchstmaß an Konzentration und Ausdauer ab, die harten Proben durchzuhalten.

Einige Male habe ich mich schon gefragt, warum ich mir das seit 2012 in jedem Jahr erneut „antue“. Aber im Endeffekt ist es ganz klar. Mich macht es unglaublich stolz, wenn das, was ich auf der Bühne tue, jemanden im Publikum berührt und inspiriert. Ich glaube das ist eine der schönsten Erfahrungen, die man als Mensch machen kann.

Imagine this.

plakatIn diesem Jahr haben wir uns für das Stück „Imagine This“ entschieden, das aus London kommt und am West End gespielt wurde.  Unsere Produktion ist die deutsche Uraufführung. Das Stück handelt von einer jüdische Schauspielerfamilie im Warschauer Ghetto um 1942. Sie führen das Stück „Masada“ auf, um Hoffnung in die hungernden Seelen der jüdischen Gemeinschaft zu bringen. Dabei werden sie von einem Widerstandskämpfer überrascht, der ihnen verrät, wohin die Züge aus Warschau fahren. Als die Nazis dies mitbekommen, wird den Schauspielern ein Pakt angeboten und das Stück „Masada“ wird zu einem Kampf um Hoffnung und Integrität. Ihre Geschichte damals ist, in Teilen, unsere Geschichte heute.

Das FME will sie erzählen, mit all Ihren Farben und Facetten, mit allen hellen und dunklen Seiten. Wir möchten die Menschen berühren, sie in dieses Stück eintauchen lassen.  Es ist sicher nicht leicht, sich unbefangen auf ein solches Thema einzulassen. Wir möchten zum Dialog und zum Nachdenken anregen und vielleicht fragt sich der eine oder die andere „Was hätte ich getan?“

Die wesentliche Aussage des zentralen Musikstücks “Stell es dir vor“ ist, dass auch in Zeiten von großer Not und Verzweiflung unser Wille und unsere Vorstellung die Lichtblicke sein können, die wir brauchen.

Imagine this. Stell es Dir vor.

Viele Grüße
Ricardo Santos