Archiv der Kategorie: Wir privat

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Besser spät als nie: Die „Ehe für alle“ ist da!

Am 1. Oktober 2017 gab es Grund zu feiern: Die „Ehe für alle“ trat in Kraft. Der Paragraf 1353 des Bürgerlichen Gesetzbuches (BGB) besagt jetzt:

„Die Ehe wird von zwei Personen verschiedenen oder gleichen Geschlechts auf Lebenszeit geschlossen“.

Nun ist es also möglich, dass zwei Männer heiraten. Oder dass zwei Frauen heiraten. Und dieser Bund heißt ebenfalls „Ehe“ und weist keinerlei Unterschiede zur traditionellen Verbindung zwischen Mann und Frau auf. Wir haben also jetzt endlich gleiches Recht für alle. Lange hat’s gedauert, aber besser spät als nie. Cheers!

Ein wichtiger Meilenstein auf dem Weg zur „Ehe für alle“ war das Lebenspartnerschaftsgesetz, das im August 2001 in Kraft trat. Es sah vor, dass zwei Männer oder zwei Frauen eine Lebenspartnerschaft eintragen lassen konnten. Mein Mann und ich haben das im Juli 2003 getan. Es war ein bewegendes Erlebnis, ein unvergessliches Fest mit Familie, Kollegen und Freunden, an das ich gerne zurückdenke. Für mich gab es nie einen Unterschied zur Ehe: Ich habe immer gesagt „verheiratet“ und nicht „verpartnert“, „Ehemann“ und nicht „Partner“, „Hochzeit“ und nicht „Verpartnerung“– auch wenn das damals juristisch nicht korrekt war.

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Die Lebenspartnerschaft wurde anfangs – auch von vielen Schwulen und Lesben – als „Ehe zweiter Klasse“ mit mehr Pflichten als Rechten kritisiert. Tatsächlich blieben Benachteiligungen etwa im Miet-, Erb- und Steuerrecht. Und auch Adoptionen waren nicht möglich. Aber das Rechtsinstitut war zumindest ein Anfang – der Einstieg in die „Ehe für alle“. Die Unterschiede zur herkömmlichen Ehe wurden – wenn auch oft erst auf Druck des Bundesverfassungsgerichts – nach und nach beseitigt. Zum Schluss war der Unterschied zwischen Lebenspartnerschaft und Ehe gar nicht mehr so groß. Und nun? Bestehende Lebenspartnerschaften können in eine Ehe umgewandelt werden, wenn die Partner das wollen. Wenn nicht, besteht die Lebenspartnerschaft einfach weiter. Neue gleichgeschlechtliche Partner können allerdings nur noch eine Ehe schließen. 2015 lebten 43.000 Homo-Paare in Deutschland in eingetragenen Lebenspartnerschaften – gut möglich, dass es mit der „Ehe für alle“ nun deutlich mehr werden!

Mein Mann und ich waren uns im Herbst des letzten Jahres schnell einig: Wir werden noch einmal aufs Standesamt marschieren und unsere Lebenspartnerschaft in eine Ehe umwandeln. Meine bessere Hälfte hatte allerdings einen speziellen Wunsch: „Wir machen das am gleichen Datum wie 2003 – ich habe keine Lust auf einen zweiten Hochzeitstag!“

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Diskriminierungen zu beseitigen und eine aufgeschlossene Atmosphäre zu schaffen, in der sich auch Minderheiten wohlfühlen, gehört zu den Aufgaben des Gesetzgebers – aber auch des Arbeitgebers. Hier hat die Westfalen Gruppe vieles richtig gemacht.

Die Westfalen Führungsriege unterstützt aktiv die Sache unserer LGBT-Community*. So ermöglichte Renate Fritsch-Albert, dass 2015 und 2016 der Frühjahrsempfang des Münsteraner CSD-Vereins** in der Unternehmenszentrale stattfinden konnte. Sie beteiligte sich aktiv mit Redebeiträgen an diesen Veranstaltungen. „Wir sind zwar konservativ, aber modern und aufgeschlossen“, betonte sie. „Wir begrüßen Ihr Engagement!“

Ich habe in meinen über 20 Dienstjahren nicht die leiseste Diskriminierung erfahren – weder von Kollegen noch von Führungskräften. Im Gegenteil: Zu meiner Verpartnerung 2003 habe ich als erster schwuler Bräutigam des Unternehmens anstandslos die gleichen Boni erhalten wie jeder Hetero-Hochzeiter: Geldbetrag, Blumenstrauß und Glückwunschkarte. Westfalen hat also schon 2003 die „Ehe für alle“ gelebt!

Viele Grüße
Stefan Jung

* Die LGBT-Gemeinschaft umfasst Lesben und Schwule (=Gays), aber auch Bi- und Transsexuelle.

** Der CSD-Verein aus Münster organisiert alljährlich die sommerlichen Prideweeks rund um den Christopher Street Day (CSD), den Fest-, Gedenk- und Demonstrationstag der LGBT-Community.




Header-Bild: #104469510 | © jakkapan – Fotolia.com

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Rennfietsentour – Das Münsterland hilft notleidenden Kindern

Nach einer unruhigen Nacht höre ich meinen Wecker klingeln, aber eigentlich bin ich schon wach. Die Knochen sind müde, einige Muskeln machen sich bemerkbar und mein Nacken bemängelt die Qualität meiner Schlafstätte. Neben meinem Kopf sehe ich Füße, deren Besitzer in Flip Flops oder Badelatschen, einen Kulturbeutel unter dem Arm, Richtung Umkleide laufen…..

Die Szenerie beschreibt das Aufwachen an einem beliebigen Tag der Rennfietsentour.

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Bei der Rennfietsentour fahren 50 Teilnehmer am langen Wochenende über Christi Himmelfahrt eine Strecke von 600 km, um Spenden für Kinder zu sammeln. Das Ziel: jeden gefahrenen Kilometer für 1,-€ zu „verkaufen“. Das Spendenziel liegt also bei 600,- € pro Teilnehmer. Aus Erfahrung sei gesagt: Es gibt Jahre, da ist dieser Betrag erreichbar. Es gibt Jahre, da ist dieser Betrag nicht erreichbar. Aber der Wille ist ungebrochen und das Wissen, dass sich die Mühe immer wieder lohnt, spornen uns an :-) .

Gesammelt wird für die Agapedia Stiftung von Jürgen Klinsmann und für den Roten Keil aus Senden. 

Als ich vor sechs Jahren zum ersten Mal an einer Rennfietsentour teilnahm, reizte mich die Strecke. 600 km in vier Tagen schien mir ein perfektes Grundlagentraining für die Wettkämpfe im Sommer und Herbst zu sein. Wenn man dabei auch noch mit anderen radbegeisterten Menschen unterwegs ist: um so besser. Klar habe ich auch damals schon Spenden gesammelt, aber im Nachhinein muss ich mir eingestehen, es wäre mehr möglich gewesen.

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Und dann kam Christi Himmelfahrt 2017. Check-in am Flughafen Münster Osnabrück, Aufstellen in vier Gruppen mit Guides.  Mir brachte das zwei Erkenntnisse. Erstens: Die Organisation, um die Menge an Rennradfahrern versorgen zu können, ist gigantisch und bedarf eines eingespielten Teams (Verpflegung für die Pausen, Besenwagen inkl. Reparaturmöglichkeit bei Defekten, Leitfahrzeug, Straßensperren, um dem „Feld“ eine Überquerung zu ermöglichen, und vieles mehr).

Zweitens: Die Teilnehmer, die bereits mehrfach dabei waren, sind eine verschworene Gemeinschaft, die aber jeden Neuen gerne in ihre Reihen aufnimmt. Jeder von ihnen brennt für die Sache „Rennfietsentour“. Nach dem Losfahren ging es unter den alten Hasen fast nur um ein Thema: Was hast Du im letzten Jahr gemacht, um Spenden zu sammeln? Von „Waffeln backen für die Nachbarschaft“ bis zur Betreuung eines wöchentlichen Lauftreffs reichten die Projekte.

Die folgenden vier Tage waren geprägt vom Motto „Back to the basics“. Übernachtet haben wir in Turnhallen, die uns die jeweiligen Gemeinden oder Städte kostenlos zur Verfügung stellten. Auch die Abendverpflegung wurde zumeist von einzelnen Teilnehmern mit Hilfe der lokalen Geschäfte und Vereine organisiert. Der örtliche Metzger spendete Hackfleisch, der Supermarkt stellte Nudeln zur Verfügung. Wir erfuhren täglich viel Unterstützung  und alle Teilnehmer sind immer satt geworden.

Ob man abends das Glück hat, eine freie Steckdose für seinen Fahrradcomputer und/oder sein Handy zu erwischen, hängt stark vom Timing ab. Ähnlich verhält es sich beim Versuch, mit warmem Wasser zu duschen. Die meisten Turnhallen sind nicht darauf eingerichtet, dass 50 Rennradler zeitgleich warm duschen wollen. So bleiben zwei Alternativen: zu den Ersten zu gehören oder „Back to the basics“ – mal mit kaltem Wasser duschen.

Wenn so viele Menschen in einer Halle schlafen, dann leidet die Schlafqualität enorm. Irgendwer muss immer mal auf Toilette, schnarcht oder läuft auf und ab. Ein nicht auf stumm gestelltes Handy findet sich in jeder Nacht 😉 Die persönliche Komfortzone wird ziemlich klein. Aber nur so kann man am eigenen Leib miterleben, wie es Menschen geht, die Dinge nicht haben, die man selbst für selbstverständlich erachtet.

Die Idee „Rennfietsentour“ hat in mir ein Feuer entfacht. Und wie steht es so schön auf dem Westfalen Plakat gegenüber meinem Büro: „In Dir muss brennen, was Du in anderen entfachen willst“.

Auch für das kommende Jahr habe ich mir vorgenommen, an der Rennfietsentour teil zu nehmen und Spenden zu sammeln. Die Herausforderung besteht für das kommende Jahr somit aus zwei Teilen: Ich muss körperlich fit genug sein, um die Strecke zu bewältigen (aber das sollte eine gute Motivation für Trainingsfahrten an kalten und dunklen Wintertagen werden) und ich möchte viele Spenden einsammeln.

spendenboxDafür werde ich mir einiges einfallen lassen müssen. Falls Sie mich dabei unterstützen möchten, freue ich mich sehr.  Eine Spendenbox* findet sich an meinem Arbeitsplatz :-)

Viele Grüße
Chriss Witte

*Bei Spendenbeträgen ab 50,-€ ist die Ausstellung einer Spendenbescheinigung möglich.

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Catch the moment!

Guten Tage liebe Leser und Leserinnen,

meine eine erste Kamera war ein riesiger Apparat, bei dem man zum Weitertransport des Films ein Rädchen drehen musste. Pro Film standen damals allenfalls 36 Bilder zur Verfügung, das bedeutete, dass ich mir genau überlegen musste, was ich fotografiere. Zu Beginn waren meine Fotos oft verschwommen oder das Motiv war unglücklich gewählt. Aber bevor ich das feststellen konnte, musste ich die Filme entwickeln lassen und die Kosten dafür tragen. Da war jedes misslungene Bild ärgerlich.

Im Laufe der Jahre habe ich Erfahrung gesammelt und besitze mittlerweile eine Spiegelreflexkamera mit einer 32 GB Speicherkarte. So ausgerüstet kann ich tausende Fotos machen und – falls notwendig – problemlos löschen. :-)

Die Fotografie ist inzwischen eines meiner Hobbies geworden, endlos viele Aufnahmen sind entstanden: vom PortraitGrashalm über meine Katzen bis hin zur Portrait- und Eventfotografie. 

Nach und nach kamen dann die Anfragen von Freunden und Bekannten: ob ich denn nicht einmal auf der einen oder anderen Veranstaltung fotografieren möchte? Oder ein Portrait-Foto anfertigen könnte? So entwickelte sich mein Hobby immer weiter, mit den Anforderungen wuchsen auch meine Kenntnisse. 

Ich nahm am Fotowettbewerb der WN teil und gewann direkt. Das von mir eingesendete Bild wurde Sommerfoto der WN Kreis Coesfeld. Als ich das Foto mit unserem Jack Russel Benny in der Zeitung sah, habe ich mich „tierisch“ gefreut. 

Später, während meines Fachabiturs als Gestaltungstechnische Assistentin hatte ich die Möglichkeit, ein achtwöchiges Praktikum bei den Fotografen Johanna Schindler und Anastasia Kapluggin in Nottuln zu absolvieren. Portraitfotografie, Veranstaltungen, Familien und Babies, … – es war alles dabei und ich durfte alles lernen.

Eine Hochzeit dauert einen ganzen Tag von früh morgens bis spät nachts: da kommen schon einmal um die 3000 Fotos zusammen, die man am nächsten Tag erst einmal aussortieren darf.

Ein Highlight meines Praktikums war der Studiotag für mich. Einen halben Tag hatte ich das Studio für mich ganz allein. Ich durfte Freunde fotografieren und viele Dinge ausprobieren, sogar ein kleines Holi-Festival habe ich veranstaltet. :-)

Heute besitze ich meine Spiegelreflex Kamera, ein Stativ, zwei Objektive, Diffusor, Studiolicht Softbox und eine Menge mehr Erfahrung (lerne aber immer noch dazu). Das alles setze ich weiterhin für mein Hobby ein und fotografiere alles, was mir vor die Linse kommt. Ohne dass der Film voll ist – höchstens ist mal der Akku leer. :-) 

Viele Grüße 
Alina Bertels
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Aus dem Sattel auf den Bürostuhl

Kaum 16 Jahre jung und schon hatte ich für meine Zukunft eine ganz genaue Vorstellung: Als Pferdenärrin und -besitzerin wollte ich mein Geld unbedingt mit dem verdienen, was ich liebe. Also habe ich mich nach meinem Realschulabschluss für eine Ausbildung als Pferdewirtin bei einem erfolgreichen Reiterhof beworben. Kaum war die Zusage eingetroffen, polierte ich in meiner Begeisterung alle meine Reitutensilien auf und kaufte auch einiges neu :-) . 

ppic2 (3)Was Verantwortung und Disziplin bedeuten – das habe ich in dieser Ausbildung gelernt. Denn der Umgang mit Pferden erfordert beides. Mit dem Reitsport entscheidet man sich für einen ganz besonderen Teampartner. Einen, der mehrere hundert Kilo auf die Waage bringt, ein Fluchttier mit schnellen Reflexen. Wenn dieser Partner dem Menschen vertraut und ihn im besten Falle als „Leittier“ anerkennt, ist viel gewonnen. Bis es soweit ist, heißt es allerdings, Ängste zu überwinden und auch einmal Niederlagen einzustecken. 

Der Arbeitstag begann um 7:00 Uhr mit dem Füttern der 165 Pferde. Danach hieß es Ställe einstreuen, Pferde pflegen, Pferde satteln und trainieren. Besonders die Arbeit mit den jungen dreijährigen Hengsten war nicht immer leicht. Die meisten kannten weder ein Halfter am Kopf noch den wirklichen Kontakt zum Menschen und mit ihrem Respekt war es auch nicht weit her. Für mich bedeutete das: Vorsichtsmaßnahmen und Aufmerksamkeit hoch zehn. Schon das Herausführen aus der Box war oft ein Abenteuer. Die Gefahr, dass ein Pferd auch mal in der Box ausschlägt, oder dass man an die Wand gequetscht wird, ist doch einigermaßen hoch. Mit Stahlkappenschuhen und Reithandschuhen – die Boxentür immer einen Spalt weit geöffnet – begegnet man mit einem leicht nervösen Gefühl dem aufgewühlten Junghengst und bemüht sich, ihm mit viel Ruhe und Bestimmtheit, ein Halfter über den Kopf zu streifen. 

pIMG_1474Der Reiterhof bot aber auch Reitunterricht und  Ferienfreizeiten für Kinder. Der Reitunterricht auf Schulpferden fand nachmittags statt. Schulpferde sind etwas anderes als Junghengste :-) – meist etwas älter, brav und geduldig. Aber auch ein Schulpferd kann sich erschrecken und losgaloppieren oder zur Seite springen. Meine Aufgabe war es, den Kindern beim Vorbereiten der Pferde zu helfen, also aus der Box führen, putzen, Hufe auskratzen, satteln. Während dieser Vorbereitung für den Reitunterricht musste ich immer viele Fragen der Schüler beantworten: von pferdetypischem Verhalten, über das richtige Reiten bis hin zur Pferdeanatomie. Einige Mal durfte ich während meiner Ausbildung auch Reitunterricht geben. Das hat mir besonders viel Freude gemacht. Auch Ausritte in die Umgebung gehörten zum Programm und am allerliebsten bin ich natürlich selbst mitgeritten :-) 

Abends wurden Stallgassen und und Sattelkammern gefegt und aufgeräumt. Gegen 18 Uhr setzte ich mich dann auf mein Mofa und fuhr nach Hause. Oft fielen mir nach dem Abendessen die Augen zu: körperliche Arbeit macht doch sehr müde. Pferde müssen auch am Wochenende gefüttert und bewegt werden. Daher haben wir auch am Samstagen und Sonntagen gearbeitet, wobei während der Turniersaison diese Wochenendeinsätze schon einmal bis in den Abend dauerten. Im Winter war es natürlich oft sehr kalt und in Pferdeställen gibt es nun einmal keine Heizung. Da half nur: warmarbeiten! 

Irgendwann musste ich dann auf Grund der großen körperlichen Belastungen, die bereits erste Beschwerden mit sich brachten, einsehen, dass Pferdewirtin doch nicht mein endgültiger Beruf sein kann.

Daher entschied ich mich für meine zweite Leidenschaft, absolvierte mein Fachabitur als Gestaltungstechnische Assistentin und startete danach in meine Ausbildung als Mediengestalterin hier bei der Westfalen AG! Und ich muss sagen: es ist eine tolle Ausbildung, die mindestens so viel Spaß macht, wie die Ausbildung zur Pferdewirtin!
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Nach alter Gewohnheit sitze ich bereits gegen 7 Uhr an meinem Arbeitsplatz. So habe ich nachmittags Zeit für mein Hobby: das Reiten. Denn das Glück der Erde liegt nun einmal auf dem Rücken der Pferde. Wer das einmal erfahren hat, der kommt davon kaum wieder los. :-)

Viele Grüße
Alina Bertels

 

 

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Bali – ein Leben im Paradies?

Im August 2016 verschlug es mich für vier Monate auf die „Insel der Götter“. Ein ganz schön langer Urlaub, mag man denken. Aber tatsächlich war ich auf der Trauminsel Bali um zu studieren, bevor ich mein dreimonatiges Praktikum in der Unternehmenskommunikation der Westfalen Gruppe antrat. Der Strand wurde neben der Universitas Udayana zu meinem zweiten Zuhause. Doch wie lebt es sich auf Bali?

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Uns Studenten erwartete für vergleichbar wenig Geld der wahre Luxus. Für rund 300 Euro monatlich wurde uns einiges geboten: eine „Villa“ fünf Minuten vom Strand entfernt, ein großer Pool, Security Dienst und eine Putzfrau. In Deutschland wäre dies für einen Studenten unvorstellbar und auch wir benötigten einige Tage, um uns an diesen Luxus zu gewöhnen. Giftige Frösche, etliche Stromausfälle und braunes Duschwasser gab es für diesen Preis inklusive: Willkommen auf Bali.

Ich lebte mit meinen Kommilitonen in Kerobokan im Südwesten der indonesischen Insel. Dieser Ort ist besonders wegen seines Gefängnisses bekannt (Buchempfehlung: „Hotel K“ von Kathryn Bonella) und zieht nur wenige Touristen an. Unsere Nachbarn waren daher insbesondere „locals“ (= Einheimische), die mit ihren täglichen religiösen Ritualen und ihrer völlig anderen Lebensweise auch unser Leben beeinflussten – und nicht nur während der Zeit auf Bali.

kuesteDas durchschnittliche Einkommen eines Balinesen liegt bei etwas über 100 Euro im Monat. Dies lässt erahnen, wie man hier lebt: einfach, sparsam, aber glücklich! Die Häuser sind oft sehr klein und nicht mit europäischen Standards zu vergleichen. Die „locals“ lieben ihre „Warungs“ – kleine Imbisse, zum Teil nur wenige Quadratmeter groß. Dort wird zusammen gegessen, Karten gespielt oder einfach Zeit mit Freunden verbracht. Nasi goreng (gebratener Reis) ist neben mie goreng (gebratene Nudeln) das absolute Lieblingsgericht der Balinesen. Bevorzugt dazu genießen sie ab und zu mal einen Arak („Reisschnaps“), bei dem selbst gestandene Europäer aus den Flip-Flops kippen.
warungfussballDie Hobbys unserer Nachbarn waren erstaunlich „westlich“: Badminton, Basketball, Fitnessstudio, Nähen und Brettspiele. Eine große Gemeinsamkeit mit Deutschland gab es: Sowohl Groß als auch Klein lieben Fußball. Natürlich gehen richtige Fans auch am Wochenende ins Stadion. Mein sportliches Highlight war daher ein Spiel des Fußballclubs Bali United F.C. Die sonst so friedlichen Balinesen können eins: Stimmung machen…und mit solchen Bildern habe ich nicht gerechnet :-) 

haustempelNeben der „Religion Fußball“ ist der Hinduismus einer der wichtigsten Bestandteile des alltäglichen Lebens. Bali wird nicht ohne Grund die „Insel der 1000 Tempel“ genannt. Neben großen Tempelanlagen, die schnell zu Touristenattraktionen wurden (Uluwatu Tempel), besitzt nahezu jedes Haus einen eigenen kleinen Tempel bzw. Opferschrein. Täglich werden unglaublich viele Opfergaben im Haus, an Straßenkreuzungen und auch an Stränden platziert. Geopfert werden insbesondere Blumen, Lebensmittel, aber auch kleine Geldbeträge, um Dämonen zu besänftigen und Götter zu huldigen. Für mich war der strikte Glaube zu keinem Zeitpunkt meines Aufenthaltes unauthentisch oder zwanghaft. Trotz Globalisierung und dem immer stärkeren westlichen Einfluss durch Touristen werden diese Rituale von Jung und Alt vollzogen.
opfergabenDutzend religiöse Zeremonien waren auch auf den Straßen allgegenwärtig und versperrten uns einige Male den Heimweg. Oft pilgerte das ganze Dorf in traditioneller Kleidung durch die Straßen, was den Verkehr lahmlegte. Daher blieb es uns nicht erspart, uns an den abenteuerlichen Fahrstil der Einheimischen anzupassen, um im Dauerstau überhaupt irgendwie von A nach B zu gelangen. Fernab von sämtlichen Verkehrsregeln verinnerlichten wir folgende Regeln:

  • nur mit dem Roller geht es vorwärts
  • auch der Bürgersteig ist befahrbar
  • und gefühlt gibt es überhaupt keine Regeln – einfach dem Strom folgen

Der Verkehr ist wirklich eine Zumutung und Rollerunfälle sind leider an der Tagesordnung. Dennoch erlebt man im Straßenverkehr die kuriosesten Szenen. Balinesische Roller scheinen größer zu sein, denn hier finden ganze Familien inklusive Kindern und Haustieren Platz auf einem einzigen Roller. Auch meterlange Bambusrohre, Kühlschränke oder säckeweise Reis werden mit dem Verkehrsmittel Nummer eins transportiert. Ein wirklich ungewohnter Anblick sind auch so manche „Tankstellen“. Getankt wird für umgerechnet 50 Cent stilvoll am Straßenrand aus PET-Flaschen.

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Generell sind die Lebenskosten außerhalb der touristischen Gebiete wie Kuta oder Seminyak gering. 90 Cent für eine ordentliche Portion Reis und Hähnchenspieß, ressourcenschonend in Zeitungspapier „to go“ eingepackt, 70 Cent für eine riesige Wassermelone, 30 Cent für Softdrinks – aber 12 Euro für ein Glas Nutella. Importierte Ware ist um ein Vielfaches teurer als in Deutschland. Auch aus diesem Grund sollte man sich auf die leckere indonesische Küche einlassen und den Gang in ein „Warung“ wagen.

Apropos Essen: Balinesen opfern einen kleinen Teil ihrer Speisen in den Opfergaben – leider auch ein gefundenes Fressen für die „Bali-Dogs“. Die Gesundheitszustände der Straßenhunde sind oft besorgniserregend und viele Reiseführer warnen vor Tollwut. Dennoch sind die Hunde in touristischen Gebieten schon fast komplett verdrängt und nicht zwangsläufig aggressiv oder krank. Viele der Hunde tragen Halsbänder und werden auch in Bali als vollwertiges Familienmitglieder gesehen.

In meinen Augen gibt es ein viel größeres Problem. Eine geregelte Müllentsorgung gibt es nicht, jegliche Art von Müll wird einfach in Gräben gesammelt, von Straßenhunden durchwühlt und irgendwann verbrannt oder einfach in das Meer oder auf leere Landabschnitte gekippt. Balis Traumstrände versinken leider im eigenen Müll.

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Bali hat zwei Seiten: die bunten Touristenorte mit prachtvollen Hotels, schrillen Diskotheken, teuren Restaurants und Boutiquen. Auf der anderen Seite gibt es die touristisch unberührten Orte, die das „wahre“ Bali zeigen: wunderschöne Landschaften, einfache Lebensweisen und die Faszination der Kultur. Das Leben dort ist anders, aber nicht zwangsläufig schlechter. Bali hat mir gezeigt, dass man auch mit (sehr) wenig ein glückliches Leben führen kann. Niemals habe ich einen schlecht gelaunten oder traurigen Einheimischen gesehen, der über sein Leben klagte. Davon sollten wir Deutschen uns eine kleine Scheibe abschneiden!

Viele Grüße
Vanessa Steingröver