Dr. Maike Schäffler berichtet von den Erfahrungen mit ihrem ersten E-Auto

Nachdem ich nun einige Monate und viele Kilometer im E-Auto unterwegs bin, möchte ich gerne meine Erfahrungen teilen. Zu Beginn ein klares Statement: Ich mag mein Auto, ich habe mich bewusst für das elektrische Fahren entschieden und ich würde diese Entscheidung wieder so treffen. Aber – es ist weit entfernt davon, gut zu funktionieren.

Das Bild ist echt. Es handelt sich um das nicht renovierte Nachbarhaus. Laden funktioniert schon mal, das mit der Renovierung bekommen wir auch noch hin.

Als ich das erste Mal nach Düsseldorf fahre in dem Wissen, dass ich unterwegs laden muss, bin ich schon ein wenig nervös. Eigentlich hätte ich erwartet, dass ein großes deutsches Beratungsunternehmen mit Luxusbüro auch über Ladesäulen verfügt. Das ist aber nicht so. Also suche ich über meine Westfalen App eine Ladesäule in der Stadt. Die erste wird direkt vor meinen Augen belegt – passiert. Die zweite gibt es gar nicht, die dritte ist leider defekt. Nun bin ich ohnehin schon zu spät zu meinem Termin, also plane ich auf dem Rückweg zu laden. 

An einer Autobahnraststätte finde ich eine Säule, die da ist, nicht besetzt und auch funktioniert. Von dieser positiven Erfahrung bestätigt, traue ich mich an eine weitere Fahrt, nach Nohfelden.  Ausgerechnet an diesem Tag hat das Laden auf dem Mitarbeiterparkplatz leider nicht funktioniert. Wir starten also mit 250 km Reichweite. Laden wollen wir dann an der Autobahnraststätte Wille West. Das ist allerdings eher Wild West. Die Schnellladesäule ist mit Paketband umwickelt und ein handgeschriebener Zettel weist darauf hin, dass diese Säule defekt ist. Ab zur nächsten Ladestation. In Nohfelden angekommen freuen wir uns, dass unser Hotel über eine Ladesäule verfügt. Am nächsten Morgen stellen wir allerdings fest, dass ich mein Auto genauso gut an die Küchensteckdose hätte anschließen können.

Laden ist sehr gesellig – ungefähr so wie Camping. Man lernt immer jemanden kennen. Entweder tauscht man sich unter Elektroautofahrern aus oder es kommt jemand, der sich dafür interessiert. Die erste Frage ist immer: „Vollelektrisch oder Hybrid?“ (Hybrid ist unter Elektroautofahrern nicht so beliebt). Zweite Frage: „Welche Reichweite hat der denn?“. Und schon ist man im Gespräch. Auch vertriebliche Kontakte hatte ich schon über eine „Ladesäulenbekanntschaft“.

Viel Platz gibt es auch im Auto

Einen Vorteil hat man mit dem E-Auto: Es gibt häufig die besten Parkplätze, so auch in Bünde. Leider war die Säule aber so abgerubbelt ist, dass man nicht mehr sehen konnte, wo man die Karte vorhalten musste. Nachdem ich mein Glück rundherum versucht habe und die Karte tatsächlich akzeptiert wurde, sagt mir mein Auto aber leider, dass die Leistung zum Laden nicht ausreichend sei.

Abgenutzte Säulen sind leider keine Seltenheit. Und noch eine Nachricht an alle Säulenhersteller und Aufsteller: Warum bringt ihr das Display eigentlich auf Bauchnabelhöhe an und wenn es nach Süden ausgerichtet ist und in die pralle Sonne zeigt, trägt das nicht gerade dazu bei, dass man lesen kann, was dort steht.

Der 92. Geburtstag meines Schwiegervaters steht an. Er wohnt in der Nähe von Stuttgart. Sehr zur Freude meines Mannes bestehe ich darauf, dass wir mit meinem E-Auto fahren. Eine Strecke hat ungefähr 550km. Wir laden jeweils zweimal auf Hin- und Rückfahrt. Dieses Mal hat der Ladesäulengott ein Einsehen. Alles klappt reibungslos. Wir kommen entspannt hin und zurück – und sogar mein Mann ist überzeugt.

Fahrt nach Wanzleben

Inzwischen bin ich ja schon recht entspannt unterwegs. Auch, wenn meistens die erste Säule nicht funktioniert, so suche ich mir halt die nächste. Das ungeschriebene Gesetz, dass die erste Säule nicht funktioniert, hat sich auch in diesem Fall mal wieder bestätigt. Die Fehlerbilder sind jedoch vielfältig. Diesmal musste man zum Laden eine neue App herunterladen. Warum nicht ich habe ja erst 6 verschiedene, kommt es auf die siebte ja auch nicht mehr an. Also genau nach Beschreibung auf der Säule verfahren:

  • App über QR-Code laden – kein Problem
  • Fahrzeug anschließen – easy
  • Kontaktdaten in die App eingeben
  • Rechnungsadresse
  • Kreditkarte
Mein Auto meldet, dass er nicht laden kann. Das dauert meinem BMW zu lange. Also nochmal von vorne. Erst die Daten in die App eingeben, die wurden leider nicht gespeichert – wäre ja auch Luxus. Also alles nochmal eingeben, dann am Fahrzeug anschließen, den Button „jetzt laden“ drücken und warten, warten, warten. Ok, ich bin es leid, ich versuche es bei der nächsten Ladestation. Leider lässt sich der Vorgang nun aber nicht stoppen und ich kann das Kabel nicht abziehen. Das hatte ich auch noch nicht. Not-Aus drücken. 15 Minuten verschenkt und weiterfahren.

Die nächste Raststätte hat tatsächlich keine Ladesäule, das ist selten. Mit der Zeit entwickelt eine gewisse Strategie, da es eine ideale App entweder nicht gibt oder ich sie noch nicht gefunden habe, fahre ich einfach die nächste Raststätte an und schaue. Zunächst nach dem Anbieter, kann ich da mit einer meiner Apps oder Karten bezahlen, bei einem bestimmten Anbieter, den ich hier nicht nennen möchte, fahre ich direkt weiter, weil die bei mir noch nie funktioniert haben, mit 55 kW will ich auch nicht laden. Am liebsten lade ich bei Ionity, super Säulen, funktionieren und haben eine hohe Leistung. Kann ich nicht an der Autobahn laden, folgt Plan B, und der heißt McDonalds. Findet man gut und hat meist eine Schnellladesäule. Ich halte mich mal wieder an meine McDonalds Strategie – und tatsächlich daneben ist ein 300KW-Lader von Aral, der auch noch problemlos funktioniert – läuft.

Fazit: Das E-Auto fährt sich einfach wunderbar. Wenn man beschleunigen will, hat es ordentlich Wums. Es ist leise und gleitet dahin. Vom Fahrgefühl her möchte ich niemals wieder etwas Anderes fahren. Das Laden zuhause und in der Firma funktioniert ohne Probleme, unterwegs – na sagen wir, es funktioniert, aber es gibt definitiv Luft nach oben.

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