Alle Beiträge von Simone Kötter

Seit Januar 2017 frisch bei der Unternehmenskommunikation der Westfalen AG als Redakteurin im Einsatz. Davor jahrelang Pressesprecherin bei einer Kommune im Ruhrgebiet, Journalistin beim WDR Münster, Nachrichtenfrau bei diversen Radiosendern in NRW. Ich schreibe schon seit meiner Kindheit gerne und oft, beruflich und privat. Nach Schülerzeitung, WDR5 und Pressemitteilungen wurde es Zeit, auch mal zu bloggen. Macht Spaß!
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Ein Tag an der Tankstelle

Das Tankstellen-Experiment

Kann man mehrere Stunden an der Tankstelle verbringen ohne sich zu langweilen?

Tankstelle – das war für mich bisher nicht unbedingt ein Lieblingsort, sondern eher ein zweckmäßiger Haltepunkt im Fall der „Tanknadel auf null“-Fälle. Da fährt man maximal noch hin, wenn man Durst auf eine kühle Cola hat oder die Rauchwaren zu Ende gehen. Kurz zur Kasse, zahlen und nach maximal 5 Minuten sitzt man wieder im Autositz, bereit für die nächsten Kilometer.

Seitdem ich bei Westfalen bin, sehe ich Tankstellen aber mit anderen Augen. Vielleicht nehme ich sie auch zum ersten Mal überhaupt wahr, zumindest in ihrer Unterschiedlichkeit. Kleine und große Tankstellen, welche mit einem besonders vielfältigen Sortiment von Gemüse bis Kuchen, einige mit Drive-in oder Kaffee-Lounge, andere sind sogar wahre Shoppingcenter.  Wenn ich in Begleitung tanken fahre, ergeben sich damit plötzlich auch neue Gesprächsinhalte. Gespräche, die uns Westfalen vielleicht vom Rest des eigenen Freundeskreises unterscheiden.  „Das ist aber wirklich eine sehr schöne Tankstelle!“ Verständnisloser Blick… “Hm…findest Du?“  „Ja, guck doch mal, das riesige Weinsortiment und die Zeitschriftenauswahl und die Smoothies. Und diese gemütliche Kaffee-Bar…  Möchtest Du einen Alvore?“  Noch verständnisloserer Blick… “Es ist 23 Uhr!“  „Man könnte glatt einen ganzen Tag hier verbringen…“  Kopfschütteln…  Warum eigentlich nicht?

Selbstversuche sind ja gerade journalistisch sehr in und eine Undercover-Reportage mit dem Titel „Einen Tag an der Tankstelle“ habe ich bisher noch nirgendwo gesehen. Also beschließe ich, diese mediale Berichtslücke zu schließen und auch für mich persönlich zu gucken, ob die normale Verweildauer von 5-10 Minuten sich tatsächlich gefahrlos auf einige Stunden ausdehnen lässt…

Westfalen Tankstelle an der Steinfurter Straße 166 in Münster:
Eine große Tankstelle, rund um die Uhr geöffnet. Neben Benzin und Diesel gibt es hier auch Erdgas, Autogas, eine AdBlue-LKW-Tanksäule und Strom für Elektroautos. Aber das interessiert mich gerade weniger. Tanken an Tankstellen kann ja jeder. Interessanter ist gerade für mich eher, was die Tankstelle für ein Serviceangebot hat. Von A wie Auto waschen über G wie Geld oder Pakete abholen bis hin zu R wie Reinigungsservice für Klamotten. Und E wie Essen! Schließlich gibt es hier die Chopstix Noodle Bar, also frisch gekochtes China-Food to go. Doch erstmal ist Frühstückszeit. Also rein in den Verkaufsraum mit Compact Markt und Lounge-Ecke. Ledersessel und Hocker in braun und orange, Blümchen auf dem Tisch, trendige Lampen.

broetchen
Die Auswahl an belegten Brötchen, Croissants, Kuchen und Snacks ist groß. Ich genehmige mir ein Mozzarella-Tomaten-Brötchen, einen Cappuccino, eine Tageszeitung und fühle mich fast wie im Cafè. Neben mir sitzen zwei LKW-Fahrer, frühstücken ebenfalls ausgiebig und surfen mit ihren Smartphones im Internet. Denn einen WLAN-Hotspot gibt es hier auch. 

Nach einer halben Stunde und erstmal satt nehme ich meine zweite Aufgabe im Rahmen des Tankstellen-Experiments in Angriff. Konkret: Mein Auto ist schon länger so dreckig, dass Passanten sich immer wieder berufen fühlen, ketzerische Slogans auf meinen Kofferraum zu schreiben. Gut, dass ich gerade Zeit habe. Also ab durch die Waschanlage, Programm mit Lotuspflege, man gönnt sich ja sonst nichts… Die Vorwäsche übernehmen die Jungs von Westfalen, Schaum an den Scheiben, das Wasser perlt ab… Keine fünf Minuten später und das Auto glänzt wieder, zumindest im Rahmen seiner Möglichkeiten.
saugstation

Die Brötchenkrümel sauge ich hoch motiviert dann auch noch weg…  Da es sehr viele Brötchenkrümel sind, ist wieder eine halbe Stunde rum. Da ich schon mal hier bin, könnte ich beim Autoservice nochmal kurz nach dem Ölstand gucken lassen.

service
Der Mann im Westfalen-Poloshirt ist hilfsbereit und lobt mich sogar: „Der Ölstand ist perfekt! Sehr gut!“ Er fragt nach, ob er mir bzw. meinem Auto sonst noch irgendwie helfen kann. Glühlampe auswechseln, Scheibenwischwasser auffüllen? Nein danke, alles gut.  Zeit, sich mal genauer bei den Produkten im Compactmarkt umzuschauen. Erstaunlich, was es hier alles gibt: Zeitschriften en masse, Blumen, Bücher und Hörbücher, Kuscheltiere, Playmobil, Bilderbücher, Handyhüllen, vieles, was man nicht unbedingt an einer Tanke erwartet. Und auch in puncto Lebensmittel könnte ich hier fast meinen Wocheneinkauf absolvieren.  Nutella, Pizza, Aufschnitt, Joghurt, Eier… allein die Chips-Auswahl überfordert mich.

reinigung

Was mich aber wirklich sehr überrascht ist, dass man seine Klamotten hier in die Reinigung bringen kann. Eine Kooperation mit einer Reinigung macht es möglich. Hosenanzug in die Tüte, einwerfen und drei Tage später wieder sauber abholen. Verrückte Tankstellenwelt …

Ein Blick auf die Uhr – Ich bin schon seit fast 3 Stunden hier…  Mittagszeit – schon wieder Hunger. Eben noch Geld ziehen am Geldautomaten, der auch hier zu finden ist. Und dann stelle ich mich an der Theke der neuen Chopstix Noodle Bar an. Der Flyer verspricht asiatische Gerichte von süßsauer bis Thai-Curry ohne Geschmacksverstärker und Konservierungsstoffe. Die Gerichte in der Theke sehen vielversprechend aus. Ich entscheide mich für Chicken mit Austern Sauce und Nudeln. Vorbei ist die Zeit der „Heißen Hexe“, die man als wabbeliges Fastfood in den 80ern an Tankstellen als eine der wenigen warmen Mahlzeiten zu sich nehmen konnte. Das hier ist richtig gut: knackiges Gemüse, knuspriges Hähnchen und nicht der typische Asia-Glutamat-Geschmack.
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Die Gerichte werden hier vor Ort frisch gekocht und das schmeckt man auch. Wenn jetzt noch ein Pflaumenschnaps gereicht würde, wäre es wie in einem Chinarestaurant. Ich bin preislich mit 4,50 Euro dabei und nach dem Genuss pappsatt. 

Meine Uhr sagt: Ich bin seit 3,5 Stunden an der Tankstelle. Und damit habe ich meine übliche Verweildauer locker um das zwanzigfache gesteigert. Und das ohne größere Langeweile. Ich habe gegessen, Auto gewaschen, Kaffee getrunken, im Netz gesurft, gechillt, geshoppt und wieder gegessen … und gemerkt, wie sehr Tankstellen sich verändert haben. Vom reinen Tankhalt geht es immer mehr Richtung Service- und „Fresstempel“. Praktisch ist das und wahrscheinlich auch ein Weg Richtung Zukunft, wo man möglichst viel an einem Ort gleichzeitig erledigen möchte und kann.  Mein Tag an der Tanke neigt sich dem Ende zu. Und vielleicht, wenn mal wieder nix im Kühlschrank ist, das Paket schon ewig aufs Wegbringen wartet oder der Lesestoff ausgeht … treffen wir uns an der Tanke.

Warum nicht?

Viele Grüße
Simone Kötter
heart

Kein Tag wie der andere…

Ein Blick hinter die Kulissen der UK-Redaktion

Jeden Morgen fahre ich gemeinsam mit vielen anderen Westfalen auf den Parkplatz der Unternehmenszentrale. Wir rufen uns wohlerzogen einen „Guten Morgen“ zu, halten uns die Tür beim Mitarbeiter-Eingang gegenseitig auf, stempeln nacheinander ein und dann trennen sich die Wege. Jeder geht in seine Abteilung und legt los. Legt los… womit eigentlich?

Bei mir und meinen Kolleginnen und Kollegen aus dem Redaktionsteam der Unternehmenskommunikation beginnen die Arbeitstage immer ähnlich.

7:15 Uhr: Kaffee ziehen, PC hochfahren, Mails checken…wie bei den meisten, klar. Und dann starten wir damit, Zeitung zu lesen. Das, was erstmal nach „chilligem“ Arbeitsstart klingt, ist aber schon eine unserer ersten Serviceleistungen für die Westfalen Gruppe. Denn als erste „Amtshandlung“ geht es darum, den täglichen Pressespiegel zu erstellen. Wer informiert ist über die Welt, die Wettbewerber und das Geschäftsleben hat mehr von selbigem.

zeitungen

Mit einem gesonderten Software-Programm werden für den Pressespiegel Medien von A wie Aachener Zeitung bis W wie Westfälische Nachrichten nach bestimmten, unternehmensrelevanten Stichworten durchsucht. Treffer zur Westfalen Gruppe oder Themen wie Autogas und Tankstellen werden genauso ausgeworfen wie alles zu Kältemitteln, Familienunternehmen, Digitalisierung oder Schweißen. Manchmal sind über 500 verschiedene Artikel auf dem Monitor gelistet. Alle müssen zumindest kurz gesichtet werden, um Relevantes von nicht so Bedeutsamem zu trennen. Denn eine Software ist zwar hilfreich, aber nicht immer clever. So werden wir oft neben den gewollten Infos zum Treibstoff Diesel auch mit ungewollten Anekdoten über den Schauspieler „Vin Diesel“ versorgt. Privat für Liebhaber Auto verrückter Muskelmänner vielleicht nicht uninteressant, fürs Unternehmen aber eher von untergeordneter Bedeutung…

8:20 Uhr. Die Lokalzeitungen Münsters, das Handelsblatt und die Frankfurter Allgemeine werden nochmal ganz gesichtet, im guten alten Papierformat, genauso wie zahlreiche Fachmagazine mit schwungvollen Namen wie „Blech“, „Autoflotte“ oder „Gefährliche Ladung“…immer auf der Suche nach News über Westfalen. Aus diesem Sammelsurium wird schließlich der Pressespiegel, der dann mit rund 20 wichtigen Artikeln bei den Kollegen und Chefs landet.

9:15 Uhr: Ab in die Tiefen des Outlook-Postfachs. Wer will was? Kollege Mustermann aus der Fachabteilung teilt mit, dass Westfalen für guten Service an Tankstellen ausgezeichnet wird, der Chef möchte Ausbaupläne bekannt machen und Kollegin Musterfrau hätte gerne eine Pressemitteilung zum neuen Gasgebinde… Wenn man sich plötzlich in die Untiefen der F-Gas-Verordnung einarbeiten muss, obwohl man in Chemie immer in der letzten Reihe saß, hilft nur eins: Telefonieren mit denen, die es besser wissen.

11 Uhr: Nach Recherche, Fragen und Antworten hauen wir Redakteure dann in die PC-Tasten und die Pressemitteilung entsteht. Inhalte werden nochmal final abgestimmt, Fotos selbst gemacht oder ausgewählt und dann ab in die Medienlandschaft, auf Twitter und ins Netz. Immer in der Hoffnung, dass die Nachricht auch abgedruckt, versendet oder ausgestrahlt wird.

12 Uhr: „Mahlzeit!“ Das Betriebsrestaurant sorgt für neue Power.

13:05 Uhr: Das Telefon klingelt. RTL2 ist dran. Denn das Redaktionsteam ist auch der richtige Ansprechpartner für Fernsehteams, die z.B. an einer unserer Tankstellen filmen möchten, egal ob Soap oder Nachrichtenfilm. Wenn der Biker Alex aus der Serie „Köln 50667“ an einer Westfalen Tankstelle flirten will, muss er das quasi bei uns beantragen. Die Produktionsfirma fragt an und schildert die geplante Szene. Wir sprechen mit unserem Tankstellenbetreiber und dann wird entschieden, ob gedreht werden kann oder nicht. Die meisten Drehanfragen werden genehmigt. In einigen Fällen müssen wir aber leider „nein“ sagen. Wenn ein Darsteller im Film eine Tankstelle zur Explosion bringen soll zum Beispiel. Denn leider verwechselt der ein oder andere Zuschauer manchmal, dass es sich bei dem Ganzen um skripted reality handelt und dann wird aus dem Umfeld eines Film-Drehs plötzlich in der Erinnerung ein Nachrichtenfilm: „Du…nebenan die Tankstelle von Westfalen ist in die Luft geflogen…“ – Das  bzw. diese Wirkung will natürlich keiner.

13:25 Uhr: wieder das Telefon. Täglich gehen Anfragen von Fachjournalisten und lokalen/regionalen Medien bei uns ein. Gefragt wird so ziemlich alles, was mit Westfalen zu tun hat oder haben könnte. Wer, wie, was, wieso, weshalb, warum? Warum sind die Benzinpreise so hoch oder so niedrig? Was sagt der Vorstand zum Thema xy? Welche Kältemittel ersetzen R-134 a? und vieles mehr. Dann heißt es wieder Recherche, Absprache, Antwort.

14:00 Uhr: Redaktionskonferenz. Endlich Zeit für die eigenen Zeitschriften, unser Kundenmagazin Westfalen Reporter und die Mitarbeiterzeitschrift intern aktuell. Auch hier müssen Themen gefunden oder entwickelt werden. Fotos machen oder aussuchen gehört genauso dazu wie die Recherche und das Texten. Danach wird redigiert. Hier noch ein Komma, dort eine andere Formulierung, insgesamt wird eine solche Kundenzeitschrift 4-5 Mal von uns gelesen, bevor sie in Druck geht! Ähnlich sieht es beim Geschäftsbericht aus. Und auch das Intranet wird von uns bestückt.

korrektur

15:30 Uhr: Fototermin mit Presse.  Wenn wir die Medien zu eigenen Terminen einladen, Pressekonferenzen oder Fototermine anstehen, wird nicht nur alles vom Namensschild bis zur Pressemappe vorbereitet, sondern manchmal ist auch das modische Auge gefragt. Eine schief sitzende Krawatte des Vorstandes soll es schließlich nicht ins Fernsehen schaffen und wird schnell gerade gerückt.

Kurz vor Feierabend: Eine ganze Menge weggeschafft, wieder kein Tag wie der andere. Schreibtisch aufräumen…Schokopapier wegwerfen…Belohnungssmiley des Kollegen für einen guten Artikel finden…Lächeln…PC runterfahren. Morgen kommt wieder ein neuer Tag wie kein anderer. Ich freu mich drauf!

Viele Grüße
Simone Kötter


Header-Bild: #48991455 | Urheber: Cora Müller

A bouquet of flowers on a blue background. Tulips. Vintage style.

Blumen, Handshake und ein Lächeln

Hallo zusammen,

Mitte Januar war mein Start bei Westfalen und ich habe mich mit dem Blick von außen gleich in einem Blog-Beitrag über „echte Menschen bei Westfalen“ verewigt. Mittlerweile sind einige Wochen ins Land gegangen, erste Routinen haben sich gefestigt. Und bevor sich der Blick von außen in einen Blick von innen verwandelt, möchte ich gerne in einer Art chronologischer Fortsetzung über meinen ersten Tag im Familienunternehmen berichten, der mir noch gut im Gedächtnis geblieben ist. Es geht um:

Willkommenskultur bei der Westfalen Familie

Normalerweise, wenn man seine Familie besucht, bringt man was mit…ich zumindest…meistens jedenfalls… oder sagen wir so: mit zunehmendem Alter immer öfter. Und normalerweise bekommt man dann auch irgendetwas zurück. Man wird herzlich willkommen geheißen, gedrückt, bekocht und man tauscht sich aus über das, was im jeweiligen Leben gerade so passiert. So funktioniert Familie…wenn man Glück hat.

Wenn man in einen neuen Job startet, erwartet man natürlich nichts dergleichen. Auch nicht, wenn es sich um ein Unternehmen handelt, das sich selbst als „Familienunternehmen“ beschreibt. Job ist eben Job und Privatleben ist Privatleben.

An meinem ersten Tag bei Westfalen habe ich also mit dem üblichen gerechnet. Erstmal Büro finden. Dann kurze Begrüßung durch den Chef, Abklappern der Kollegen, „Hallo! Ich bin die Neue!“, am Schreibtisch feststellen, dass PC und Telefon noch nicht funktionieren und irgendwie in den neuen Job reinfinden …

Gewappnet durch Erfahrung betrete ich also das Foyer im Hauptgebäude, bereit mich irgendwie durch den ersten Tag zu wurschteln. „Guten Morgen, Frau Kötter! Herzlich willkommen. Sie werden gleich abgeholt…“ – Was? (Bei whatsapp würde ich hier jetzt den Smiley mit den aufgerissenen Augen einfügen…) Warum kennt die meinen Namen? Und warum werde ich abgeholt? – Ich bin angenehm überrascht.

Klappernde Absätze nähern sich und die Personalmanagerin steht vor mir. Ein freundliches Lächeln und ein „Wir freuen uns, dass Sie da sind!“ Gemeinsam in den Aufzug und in die Personalabteilung. Unterschreiben diverser Formulare, muss sein. Und dann ein Blumenstrauß. „Nochmal herzlich willkommen!“ Blumen? Für mich? Warum? Ich bin perplex. Klar, ich mag Blumen, aber beim Start in einen neuen Job Blumen vom Arbeitgeber? Das hatte ich so noch nie. Ich freue mich und will natürlich investigativ wissen, was denn die männlichen Kollegen beim Neubeginn bekommen. Wein? Zigarren? „Blumen in einer anderen Farbe.“ Innerlich schüttele ich den Kopf – über mich und meine unterstellten Geschlechterklischees und beschließe, meinem Vater das nächste Mal vielleicht auch ein paar Blumen zu schenken. Warum eigentlich nicht?
stifteEin Stift mit Namensgravur wird überreicht und gesellt sich zu meinen Plastik-Werbekulis in der Arbeitstasche. Danach werde ich samt Blumen zu meiner Abteilung begleitet. Das Herumirren durch Gänge und Flure fällt damit diesmal aus.

Auch hier in der Abteilung ein freundliches Hallo. Handshake mit Chef und Kollegen, willkommen in der Westfalen Familie. Eine kurze Vorstellungsrunde mit allen. Ich erzähle kurz von mir und höre interessiert zu, wer hier was macht. Merken kann ich mir am ersten Tag nur einen Bruchteil der persönlichen Infos, aber eine grobe Orientierung nehme ich mit.

Eine Kollegin kümmert sich um die Einarbeitung, nimmt mich quasi am Händchen und erklärt mir alles, was ich brauche, um mit meiner Arbeit loszulegen. Abläufe in der Abteilung, Passwörter, Aufgaben und wichtig, nein überlebenswichtig: die Kaffeemaschine.

simone_arbeitsplatz
Die Technik steht auch schon bereit und funktioniert, der Arbeitsplatz ist voll ausgestattet. Später gemeinsames Mittagessen, erstes gemeinsames Lachen, erste Worte in den PC hacken und immer wieder die Aufforderung: „Wenn was unklar ist, frag!“ Mache ich prompt und bekomme auch Antworten und nebenbei noch Verständnis „Erste Arbeitstage sind anstrengend“. Schneller als gedacht ist der erste Tag vorbei und ich fahre mit meinen Blumen nach Hause.

Zeit zum Nachdenken, reflektieren des ersten Eindrucks. Gut gelaufen, keine Frage. Und das herzliche Willkommen hinterlässt bleibenden Eindruck. Dahinter scheint die Philosophie des Familienunternehmens zu stecken. Vielleicht ist das das Besondere. Ich finde ein solches Entree professionell und persönlich. In Willkommenskultur zu investieren, lohnt sich aus meiner Sicht immer. Der Einstieg wird leichter gemacht und wer sich willkommen fühlt, fühlt sich sofort anders mit dem Unternehmen verbunden.

Und zusätzlich wirkt das alles nicht nur nach innen auf mich persönlich, sondern auch nach außen. Natürlich habe ich mit Freunden darüber gesprochen und die Reaktion geerntet: „Was? Du hast Blumen gekriegt? Wie nett!“ Meinungen, die zum guten Image beitragen. Clever!

Natürlich ist ein Arbeitstag nicht immer mit Blumen gepflastert. Job ist eben Job und nicht privat. Aber ein bisschen anders ist so ein Familienunternehmen scheinbar schon, auch wenn mich zur Begrüßung keiner gedrückt hat. Trotzdem: Die Blumen sind zwar längst verwelkt, aber an den ersten Tag denke ich immer wieder gerne zurück. Der Blumenstrauß hat sich also amortisiert – monetär und erst recht menschlich …

Viele Grüße
Simone Kötter


Header-Bild: Fotolia Datei: #140684247 | Urheber: tanyasid

Woman with telescope watching the stars. Stargazing woman and night sky.

Echte Menschen bei Westfalen?!

Bewerben bei der Westfalen Gruppe – was machen die eigentlich außer Tankstellen? Wie sind die Leute im Unternehmen?  Wie und was wird da gearbeitet hinter den erleuchteten Fenstern im Hauptsitz am Industrieweg? – Fragen über Fragen, die sich mir gestellt haben, bevor ich mich an Anschreiben und Lebenslauf gesetzt habe, um mich zu bewerben. 

Ich bin Simone Kötter, seit Mitte Januar dieses Jahres neu im Team der Unternehmenskommunikation bei der Westfalen Gruppe.

Westfalen Gruppe – ein bisschen profundes Halbwissen ist als Wahlmünsteranerin, die ab und zu auch in den Wirtschaftsteil der Zeitung schaut, natürlich da. 

Westfalen – das sind natürlich die Tankstellen mit dem Pferd, die vielen Gasflaschen auf dem Werksgelände, die, wenn man vorbeifährt fast künstlerische Gebilde formen und ein Familienunternehmen mit einem engagierten Vorstandsvorsitzenden mit Bart. Westfalen – das ist auch Gaseproduktion, Energieversorgung, Sponsoring und Bandenwerbung bei Preußen Münster und beim BVB.

Der Blick von außen, alles halbwegs bekannt. Aber wenn man sich für eine Bewerbung bei einem Unternehmen entscheidet, möchte man doch mehr wissen…

„Herr Google“ hilft weiter… Und das Internet spuckt eine ganze Menge Infos rund um Westfalen auf den Bildschirm. 1,6 Millionen Treffer „Westfalen AG“… Erster Treffer www.westfalen-ag.de. Zweiter Treffer Wikipedia, logisch. Dazu noch Standortkarten von google maps und diverse Presseartikel, xing, stepstone, kununu und der Mitarbeiterblog… Der Mitarbeiterblog? Das kenne ich nicht, das interessiert mich. Heißt das, dass hier tatsächlich Mitarbeiter bloggen? Für alle „Nicht-Westfalen“ einsehbar? Ein Klick und ich bin drin.

Der Westfalen Blog. Zuerst natürlich für Neugierige wie mich spannend die Rubrik „Wer bloggt hier?“ Denn Kleider machen bekanntlich Leute und Gesichter irgendwie ja auch ein bisschen ein Unternehmen. Hinter dem Blog scheinen wirklich viele Menschen zu stehen: Frauen, Männer, Jüngere und Gestandene, Schrauber und Krawattenträger – eine bunte Mischung. Ich bin überrascht. Das ist offensichtlich kein Marketinginstrument der Unternehmenskommunikation. Die Menschen lächeln mich von ihren Passfotos an und ich stelle mir vor, wie die alle hinter den erleuchteten Fenstern des Backsteingebäudes der Verwaltung „in die Tasten der PCs hauen“. Die Westfalen bekommen ein Gesicht…

Dann die Rubriken durchgehen… Viele Infos von  Arbeitswelt über Karriere und Ausbildung bis hin zu Veranstaltungen und Schulungen, genauso wie Erfahrungen von ausländischen Standorten. Da berichten die Niederländer von ihren Eindrücken bei einem Besuch in Münster. Ich sehe Bilder von einer Werksführung, bin irgendwie dabei und lerne, dass man Stickstoff, Argon und Sauerstoff aus der Umgebungsluft holen kann und vor allem, dass das andere – genau wie ich – auch nicht wussten. Da berichtet eine Praktikantin wie es ist, neu im Unternehmen zu sein. Für mich hilfreich. Wenn ich mich bewerbe und es wirklich klappt, dann bin ich vielleicht irgendwie nicht mehr ganz so neu nach der Lektüre des Beitrags. Hoffe ich zumindest.

Rubrik Seminare. Gesundheitsseminare wie „Fit durch den Winter“, der Besuch der „Muckibude“ wird vom Unternehmen subventioniert…Infos, die ich sonst wohl erst beim Vorstellungsgespräch bekommen hätte. Denn sowas liest man eben nicht auf der Internetseite eines Unternehmens…Stichwort Personalentwicklung:  auch interessant, wenn man sich bewerben will. „Soziales Engagement“ – das Unternehmen hat Laptops gespendet für Uganda… Das finde ich nicht in „Google News“, vielleicht auch, weil ich nicht danach suchen würde.

Und dann noch ein Klick in „wir privat“. Muss sein, der Neugierde wegen. Hobbies, Meinungen und Reisetipps. Sowas erfährt man von Kollegen ja eigentlich nur, wenn man gemeinsam am Kopierer steht. Manchmal erst nach Jahren oder durch Zufall.

Einer, der zur See gefahren ist, arbeitet jetzt bei Westfalen. Eine war schon auf halber Weltreise in Neuseeland und Vietnam und ein anderer singt privat in Musicals. Überall Fotos und gerade bei den Reisen habe ich das Gefühl, dass ich über die Schulter in ein privates Fotoalbum schaue. Seefahren und Musicals sind wohl weniger freizeittauglich für mich, aber Neuseeland – das sieht doch wirklich hübsch aus. Ich habe mich „fest gelesen“…was wollte ich nochmal? Ach ja: Infos zum Unternehmen zwecks Bewerbung…

Die Fakten auf der Internetseite des Unternehmens bedienen das Hirn, der Blog auch ein bisschen das Herz. Aus Mitarbeitern oder potentiellen zukünftigen Kollegen werden – auch durch die Geschichten im Blog – Menschen, die sich auch mal bei einer Powerpointpräsentation langweilen, gerne kochen und im Sommer auf der Werse Kanu fahren…so wie ich.

Der Rest meiner Blog-Lektüre ist schnell erzählt. Bewerbung, Vorstellungsgespräche, erste Tage bei Westfalen. Ich fühlte mich bei allem gut vorbereitet, auch durch den Blog. Und ehrlich gesagt: Irgendwie werde ich das Gefühl nicht los, den ein oder anderen schon ein bisschen besser zu kennen.

Und eins war mir schnell klar: Den Blog möchte ich nicht nur lesen, sondern ich möchte auch aktiv mitmachen. Denn wer etwas über andere wissen will, sollte vielleicht auch bereit sein, etwas über sich und seinen Job preiszugeben. Auf die Frage „Darf ich?“ hieß es sofort „Klar, sicher, sehr gerne!“ Und deshalb bin ich jetzt drin – Nicht nur bei Westfalen, sondern auch im Mitarbeiter Blog. :-) 

Viele Grüße
Simone Kötter

Header-Bild: Fotolia #132077810 | Urheber: allexxandarx