Archiv der Kategorie: Wir privat

Das schönste Geschenk, das man jemandem machen kann

Alle 15 Minuten erhält ein Mensch in Deutschland die Diagnose Blutkrebs. Bringen Strahlen- und Chemotherapien keinen ausreichenden Erfolg, ist eine Stammzelltransplantation oft die letzte Chance, geheilt zu werden. Nur etwa ein Drittel aller Blutkrebspatienten findet einen Spender innerhalb der Familie – Alle anderen sind demnach auf Fremde angewiesen, die bereit sind, einen Teil ihrer Stammzellen zu spenden. Jeder zehnte Patient findet gar keinen Spender.

Eine solche Statistik hat mich vor drei Jahren, kurz nach meinem 18. Geburtstag, dazu veranlasst, mich bei der DKMS zu registrieren. Dazu musste ich zunächst nur online ein Formular ausfüllen und bekam ein paar Tage später das Registrierungsset samt Infomaterial, Stäbchen und Anleitung bequem per Post nach Hause geschickt. Stäbchen rein, Spender sein – ist genau so einfach, wie es klingt. Laut DKMS kommt es bei weniger als 5 von 100 potenziellen Spendern in den ersten 10 Jahren nach der Registrierung zu einer Stammzellspende. Ich bin diesbezüglich also eher die Ausnahme und möchte deshalb hier von meiner Spende berichten.

Anfang Mai diesen Jahres bekam ich von der DKMS die Nachricht, dass ich als Stammzellspenderin für einen Blutkrebspatienten in Frage komme. Zwei Tage später saß ich bereits bei meinem Hausarzt, da für einen genaueren Test Blut abgenommen werden musste. Die Gewebemerkmale von Spender und Patient müssen zu 100% übereinstimmen, damit der Körper die Zellen annimmt – Man spendet also sozusagen an seinen genetischen Zwilling. Es dauerte circa drei Wochen, bis ich die Nachricht erhielt, dass ich die passende Spenderin bin. In einem Telefongespräch mit der DKMS wurde mir dann ausführlich alles rund um die Stammzellspende erklärt.

Eine Stammzellspende wird in 80% der Fälle als periphere Stammzellspende durchgeführt. Das bedeutet: Es wird Blut entnommen, die Stammzellen „herausgefiltert“ und alle anderen Bestandteile in die Blutbahn zurückgeführt (sieht also auch erstmal so aus wie bei einer normalen Blut- oder Blutplasmaspende). Das Verfahren dauert etwa 4-8 Stunden und wird meist an einem, manchmal auch an zwei aufeinander folgenden Tagen durchgeführt.

In 20% der Fälle wird dem Spender in einer OP unter Vollnarkose Knochenmark entnommen. Welches Verfahren gewählt wird, richtet sich zunächst nach dem Stammzell-Empfänger, aber natürlich werden auch gesundheitliche und persönliche Faktoren des Spenders berücksichtigt. Auch hier gehöre ich wieder in die Kategorie der ungewöhnlicheren Fälle: Mein genetischer Zwilling brauchte eine Knochenmarkspende. Natürlich gibt es jederzeit die Möglichkeit, Nein zu sagen, aber für mich war schnell klar, dass ich auf jeden Fall spenden möchte. Da vor allem die Operation oft vor einer Registrierung abschreckt (und mich zugegeben im ersten Moment auch verunsichert hat), bin ich froh, an dieser Stelle mit ein paar Unklarheiten und Gerüchten aufräumen zu können.

Was den meisten oft nicht klar ist: Das Knochenmark hat nichts mit dem Rückenmark zu tun! Knochenmark existiert praktisch in jedem Knochen und ist verantwortlich für die Bildung von Blutzellen. Im Beckenknochen befindet sich die größte Menge blutbildender (Stamm-)Zellen. Bei der OP wird daher mit einer Nadel am hinteren Becken Knochenmark entnommen, um möglichst viele Stammzellen zu gewinnen. Die Entnahme wird zwar in Bauchlage vorgenommen, ist allerdings weit entfernt von Wirbelsäule und Rückenmark (und somit auch vom Nervensystem – also keine Panik).

Um vor der Spende mögliche Risiken für den Spender auszuschließen, wird jeder zunächst zu einem großen Gesundheitscheck eingeladen. Die DKMS arbeitet mit spezialisierten Partnerkliniken zusammen, in denen die Voruntersuchung und ein paar Wochen später auch die Stammzell-/Knochenmarkspende durchgeführt werden.



Die nächstgelegene Klinik für mich befand sich in Köln, wo ich dann zum ersten Mal im Juni zum Check-Up hinfuhr. Neben einem ausführlichen Arztgespräch zur bisherigen Krankengeschichte und dem genauen Vorgang der Spende wurde unter anderem Blut abgenommen, ein EKG gemacht und eine Ultraschalluntersuchung der Bauchorgane durchgeführt. Mitte Juli stand dann der Tag meiner Spende an. Am Vortag der OP fuhr ich mit dem Zug nach Köln und wurde in der Klinik aufgenommen. Da jeder Spender auf Kosten der DKMS eine Begleitperson mitbringen darf, konnte ich noch einen gemütlichen Abend mit meiner Mutter in der Stadt verbringen, bevor der nächste Morgen mit den Vorbereitungen für die OP startete.



Auf dem Weg zum OP-Saal war meine Aufregung natürlich groß, immerhin war dies die erste Operation in meinem Leben. Als ich eine Stunde später langsam wieder wach wurde, war der Schmerz am Rücken erstmal deutlich zu spüren, aber nach ein wenig Schmerzmittel, ausreichend Bettruhe und dem ersten Essen an diesem Tag schnell vergessen.

Bereits am nächsten Morgen konnte ich die Klinik mit zwei kleinen Pflastern am Rücken wieder verlassen. Sport und jegliche Anstrengung waren für die nächsten zwei Wochen verboten, doch ansonsten gab es außer einem leichteren Schmerz, der circa eine Woche anhielt, keine Einschränkungen. Das Knochenmark kann der Körper innerhalb weniger Wochen vollständig regenerieren. Geblieben sind mir heute zwei winzige Narben, die für alle Unwissenden wohl kaum sichtbar sind. Mich wird es für immer an meine Spende erinnern.

Schon ein paar Stunden nach der OP hatte ich von der DKMS einige wenige Informationen zum Empfänger meiner Stammzellen bekommen: Mein Knochenmark war auf dem Weg in die USA zu einer ca. 30-jährigen Frau. Genauere Angaben sind aufgrund rechtlicher Bestimmungen nicht erlaubt, da für die ersten zwei Jahre zunächst eine Anonymitätsfrist besteht, in der keine persönlichen Daten ausgetauscht werden dürfen. Trotzdem ist es möglich, über anonyme Briefe, die die DKMS weiterleitet, Kontakt aufzunehmen. Vor einigen Wochen habe ich das erste Mal Post erhalten: ein selbstgemaltes Bild der Tochter meiner Stammzell-Empfängerin. Ein kleines Zeichen, über das ich mich riesig gefreut habe. Für mich gibt es nichts Schöneres, als zu wissen, dass ich jemandem mit ein paar Tagen meiner Zeit und einem Teil meiner Stammzellen eine Chance auf ein neues, gesundes Leben geben konnte.

Auch bei der Westfalen AG gab es im letzten Jahr eine Typisierungsaktion, bei der sich einige Mitarbeiter als Spender registriert haben. Neben der Übernahme der Kosten, die der DKMS für die Registrierung eines Spenders entstehen, spendete die Westfalen AG außerdem 4000€, um die Organisation im Kampf gegen Blutkrebs zu unterstützen. Mit jeder weiteren Registrierung kommen wir dem Ziel näher, irgendwann für jeden Patienten einen passenden Spender zu finden. Also: Stäbchen rein – Spender sein!

Viele Grüße, Marie Junker

Besser spät als nie: Die „Ehe für alle“ ist da!

Am 1. Oktober 2017 gab es Grund zu feiern: Die „Ehe für alle“ trat in Kraft. Der Paragraf 1353 des Bürgerlichen Gesetzbuches (BGB) besagt jetzt:

„Die Ehe wird von zwei Personen verschiedenen oder gleichen Geschlechts auf Lebenszeit geschlossen“.

Nun ist es also möglich, dass zwei Männer heiraten. Oder dass zwei Frauen heiraten. Und dieser Bund heißt ebenfalls „Ehe“ und weist keinerlei Unterschiede zur traditionellen Verbindung zwischen Mann und Frau auf. Wir haben also jetzt endlich gleiches Recht für alle. Lange hat’s gedauert, aber besser spät als nie. Cheers!

Ein wichtiger Meilenstein auf dem Weg zur „Ehe für alle“ war das Lebenspartnerschaftsgesetz, das im August 2001 in Kraft trat. Es sah vor, dass zwei Männer oder zwei Frauen eine Lebenspartnerschaft eintragen lassen konnten. Mein Mann und ich haben das im Juli 2003 getan. Es war ein bewegendes Erlebnis, ein unvergessliches Fest mit Familie, Kollegen und Freunden, an das ich gerne zurückdenke. Für mich gab es nie einen Unterschied zur Ehe: Ich habe immer gesagt „verheiratet“ und nicht „verpartnert“, „Ehemann“ und nicht „Partner“, „Hochzeit“ und nicht „Verpartnerung“– auch wenn das damals juristisch nicht korrekt war.

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Die Lebenspartnerschaft wurde anfangs – auch von vielen Schwulen und Lesben – als „Ehe zweiter Klasse“ mit mehr Pflichten als Rechten kritisiert. Tatsächlich blieben Benachteiligungen etwa im Miet-, Erb- und Steuerrecht. Und auch Adoptionen waren nicht möglich. Aber das Rechtsinstitut war zumindest ein Anfang – der Einstieg in die „Ehe für alle“. Die Unterschiede zur herkömmlichen Ehe wurden – wenn auch oft erst auf Druck des Bundesverfassungsgerichts – nach und nach beseitigt. Zum Schluss war der Unterschied zwischen Lebenspartnerschaft und Ehe gar nicht mehr so groß. Und nun? Bestehende Lebenspartnerschaften können in eine Ehe umgewandelt werden, wenn die Partner das wollen. Wenn nicht, besteht die Lebenspartnerschaft einfach weiter. Neue gleichgeschlechtliche Partner können allerdings nur noch eine Ehe schließen. 2015 lebten 43.000 Homo-Paare in Deutschland in eingetragenen Lebenspartnerschaften – gut möglich, dass es mit der „Ehe für alle“ nun deutlich mehr werden!

Mein Mann und ich waren uns im Herbst des letzten Jahres schnell einig: Wir werden noch einmal aufs Standesamt marschieren und unsere Lebenspartnerschaft in eine Ehe umwandeln. Meine bessere Hälfte hatte allerdings einen speziellen Wunsch: „Wir machen das am gleichen Datum wie 2003 – ich habe keine Lust auf einen zweiten Hochzeitstag!“

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Diskriminierungen zu beseitigen und eine aufgeschlossene Atmosphäre zu schaffen, in der sich auch Minderheiten wohlfühlen, gehört zu den Aufgaben des Gesetzgebers – aber auch des Arbeitgebers. Hier hat die Westfalen Gruppe vieles richtig gemacht.

Die Westfalen Führungsriege unterstützt aktiv die Sache unserer LGBT-Community*. So ermöglichte Renate Fritsch-Albert, dass 2015 und 2016 der Frühjahrsempfang des Münsteraner CSD-Vereins** in der Unternehmenszentrale stattfinden konnte. Sie beteiligte sich aktiv mit Redebeiträgen an diesen Veranstaltungen. „Wir sind zwar konservativ, aber modern und aufgeschlossen“, betonte sie. „Wir begrüßen Ihr Engagement!“

Ich habe in meinen über 20 Dienstjahren nicht die leiseste Diskriminierung erfahren – weder von Kollegen noch von Führungskräften. Im Gegenteil: Zu meiner Verpartnerung 2003 habe ich als erster schwuler Bräutigam des Unternehmens anstandslos die gleichen Boni erhalten wie jeder Hetero-Hochzeiter: Geldbetrag, Blumenstrauß und Glückwunschkarte. Westfalen hat also schon 2003 die „Ehe für alle“ gelebt!

Viele Grüße
Stefan Jung

* Die LGBT-Gemeinschaft umfasst Lesben und Schwule (=Gays), aber auch Bi- und Transsexuelle.

** Der CSD-Verein aus Münster organisiert alljährlich die sommerlichen Prideweeks rund um den Christopher Street Day (CSD), den Fest-, Gedenk- und Demonstrationstag der LGBT-Community.




Header-Bild: #104469510 | © jakkapan – Fotolia.com

Rennfietsentour – Das Münsterland hilft notleidenden Kindern

Nach einer unruhigen Nacht höre ich meinen Wecker klingeln, aber eigentlich bin ich schon wach. Die Knochen sind müde, einige Muskeln machen sich bemerkbar und mein Nacken bemängelt die Qualität meiner Schlafstätte. Neben meinem Kopf sehe ich Füße, deren Besitzer in Flip Flops oder Badelatschen, einen Kulturbeutel unter dem Arm, Richtung Umkleide laufen…..

Die Szenerie beschreibt das Aufwachen an einem beliebigen Tag der Rennfietsentour.

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Bei der Rennfietsentour fahren 50 Teilnehmer am langen Wochenende über Christi Himmelfahrt eine Strecke von 600 km, um Spenden für Kinder zu sammeln. Das Ziel: jeden gefahrenen Kilometer für 1,-€ zu „verkaufen“. Das Spendenziel liegt also bei 600,- € pro Teilnehmer. Aus Erfahrung sei gesagt: Es gibt Jahre, da ist dieser Betrag erreichbar. Es gibt Jahre, da ist dieser Betrag nicht erreichbar. Aber der Wille ist ungebrochen und das Wissen, dass sich die Mühe immer wieder lohnt, spornen uns an 🙂 .

Gesammelt wird für die Agapedia Stiftung von Jürgen Klinsmann und für den Roten Keil aus Senden. 

Als ich vor sechs Jahren zum ersten Mal an einer Rennfietsentour teilnahm, reizte mich die Strecke. 600 km in vier Tagen schien mir ein perfektes Grundlagentraining für die Wettkämpfe im Sommer und Herbst zu sein. Wenn man dabei auch noch mit anderen radbegeisterten Menschen unterwegs ist: um so besser. Klar habe ich auch damals schon Spenden gesammelt, aber im Nachhinein muss ich mir eingestehen, es wäre mehr möglich gewesen.

Rennfietsentour_Etappenstart1

Und dann kam Christi Himmelfahrt 2017. Check-in am Flughafen Münster Osnabrück, Aufstellen in vier Gruppen mit Guides.  Mir brachte das zwei Erkenntnisse. Erstens: Die Organisation, um die Menge an Rennradfahrern versorgen zu können, ist gigantisch und bedarf eines eingespielten Teams (Verpflegung für die Pausen, Besenwagen inkl. Reparaturmöglichkeit bei Defekten, Leitfahrzeug, Straßensperren, um dem „Feld“ eine Überquerung zu ermöglichen, und vieles mehr).

Zweitens: Die Teilnehmer, die bereits mehrfach dabei waren, sind eine verschworene Gemeinschaft, die aber jeden Neuen gerne in ihre Reihen aufnimmt. Jeder von ihnen brennt für die Sache „Rennfietsentour“. Nach dem Losfahren ging es unter den alten Hasen fast nur um ein Thema: Was hast Du im letzten Jahr gemacht, um Spenden zu sammeln? Von „Waffeln backen für die Nachbarschaft“ bis zur Betreuung eines wöchentlichen Lauftreffs reichten die Projekte.

Die folgenden vier Tage waren geprägt vom Motto „Back to the basics“. Übernachtet haben wir in Turnhallen, die uns die jeweiligen Gemeinden oder Städte kostenlos zur Verfügung stellten. Auch die Abendverpflegung wurde zumeist von einzelnen Teilnehmern mit Hilfe der lokalen Geschäfte und Vereine organisiert. Der örtliche Metzger spendete Hackfleisch, der Supermarkt stellte Nudeln zur Verfügung. Wir erfuhren täglich viel Unterstützung  und alle Teilnehmer sind immer satt geworden.

Ob man abends das Glück hat, eine freie Steckdose für seinen Fahrradcomputer und/oder sein Handy zu erwischen, hängt stark vom Timing ab. Ähnlich verhält es sich beim Versuch, mit warmem Wasser zu duschen. Die meisten Turnhallen sind nicht darauf eingerichtet, dass 50 Rennradler zeitgleich warm duschen wollen. So bleiben zwei Alternativen: zu den Ersten zu gehören oder „Back to the basics“ – mal mit kaltem Wasser duschen.

Wenn so viele Menschen in einer Halle schlafen, dann leidet die Schlafqualität enorm. Irgendwer muss immer mal auf Toilette, schnarcht oder läuft auf und ab. Ein nicht auf stumm gestelltes Handy findet sich in jeder Nacht 😉 Die persönliche Komfortzone wird ziemlich klein. Aber nur so kann man am eigenen Leib miterleben, wie es Menschen geht, die Dinge nicht haben, die man selbst für selbstverständlich erachtet.

Die Idee „Rennfietsentour“ hat in mir ein Feuer entfacht. Und wie steht es so schön auf dem Westfalen Plakat gegenüber meinem Büro: „In Dir muss brennen, was Du in anderen entfachen willst“.

Auch für das kommende Jahr habe ich mir vorgenommen, an der Rennfietsentour teil zu nehmen und Spenden zu sammeln. Die Herausforderung besteht für das kommende Jahr somit aus zwei Teilen: Ich muss körperlich fit genug sein, um die Strecke zu bewältigen (aber das sollte eine gute Motivation für Trainingsfahrten an kalten und dunklen Wintertagen werden) und ich möchte viele Spenden einsammeln.

spendenboxDafür werde ich mir einiges einfallen lassen müssen. Falls Sie mich dabei unterstützen möchten, freue ich mich sehr.  Eine Spendenbox* findet sich an meinem Arbeitsplatz 🙂 . 

Viele Grüße
Chriss Witte

*Bei Spendenbeträgen ab 50,-€ ist die Ausstellung einer Spendenbescheinigung möglich.

Catch the moment!

Guten Tage liebe Leser und Leserinnen,

meine eine erste Kamera war ein riesiger Apparat, bei dem man zum Weitertransport des Films ein Rädchen drehen musste. Pro Film standen damals allenfalls 36 Bilder zur Verfügung, das bedeutete, dass ich mir genau überlegen musste, was ich fotografiere. Zu Beginn waren meine Fotos oft verschwommen oder das Motiv war unglücklich gewählt. Aber bevor ich das feststellen konnte, musste ich die Filme entwickeln lassen und die Kosten dafür tragen. Da war jedes misslungene Bild ärgerlich.

Im Laufe der Jahre habe ich Erfahrung gesammelt und besitze mittlerweile eine Spiegelreflexkamera mit einer 32 GB Speicherkarte. So ausgerüstet kann ich tausende Fotos machen und – falls notwendig – problemlos löschen. 🙂

Die Fotografie ist inzwischen eines meiner Hobbies geworden, endlos viele Aufnahmen sind entstanden: vom PortraitGrashalm über meine Katzen bis hin zur Portrait- und Eventfotografie. 

Nach und nach kamen dann die Anfragen von Freunden und Bekannten: ob ich denn nicht einmal auf der einen oder anderen Veranstaltung fotografieren möchte? Oder ein Portrait-Foto anfertigen könnte? So entwickelte sich mein Hobby immer weiter, mit den Anforderungen wuchsen auch meine Kenntnisse. 

Ich nahm am Fotowettbewerb der WN teil und gewann direkt. Das von mir eingesendete Bild wurde Sommerfoto der WN Kreis Coesfeld. Als ich das Foto mit unserem Jack Russel Benny in der Zeitung sah, habe ich mich „tierisch“ gefreut. 

Später, während meines Fachabiturs als Gestaltungstechnische Assistentin hatte ich die Möglichkeit, ein achtwöchiges Praktikum bei den Fotografen Johanna Schindler und Anastasia Kapluggin in Nottuln zu absolvieren. Portraitfotografie, Veranstaltungen, Familien und Babies, … – es war alles dabei und ich durfte alles lernen.

Eine Hochzeit dauert einen ganzen Tag von früh morgens bis spät nachts: da kommen schon einmal um die 3000 Fotos zusammen, die man am nächsten Tag erst einmal aussortieren darf.

Ein Highlight meines Praktikums war der Studiotag für mich. Einen halben Tag hatte ich das Studio für mich ganz allein. Ich durfte Freunde fotografieren und viele Dinge ausprobieren, sogar ein kleines Holi-Festival habe ich veranstaltet. 🙂

Heute besitze ich meine Spiegelreflex Kamera, ein Stativ, zwei Objektive, Diffusor, Studiolicht Softbox und eine Menge mehr Erfahrung (lerne aber immer noch dazu). Das alles setze ich weiterhin für mein Hobby ein und fotografiere alles, was mir vor die Linse kommt. Ohne dass der Film voll ist – höchstens ist mal der Akku leer. 🙂 

Viele Grüße 
Alina Bertels

Aus dem Sattel auf den Bürostuhl

Kaum 16 Jahre jung und schon hatte ich für meine Zukunft eine ganz genaue Vorstellung: Als Pferdenärrin und -besitzerin wollte ich mein Geld unbedingt mit dem verdienen, was ich liebe. Also habe ich mich nach meinem Realschulabschluss für eine Ausbildung als Pferdewirtin bei einem erfolgreichen Reiterhof beworben. Kaum war die Zusage eingetroffen, polierte ich in meiner Begeisterung alle meine Reitutensilien auf und kaufte auch einiges neu 🙂 . 

ppic2 (3)Was Verantwortung und Disziplin bedeuten – das habe ich in dieser Ausbildung gelernt. Denn der Umgang mit Pferden erfordert beides. Mit dem Reitsport entscheidet man sich für einen ganz besonderen Teampartner. Einen, der mehrere hundert Kilo auf die Waage bringt, ein Fluchttier mit schnellen Reflexen. Wenn dieser Partner dem Menschen vertraut und ihn im besten Falle als „Leittier“ anerkennt, ist viel gewonnen. Bis es soweit ist, heißt es allerdings, Ängste zu überwinden und auch einmal Niederlagen einzustecken. 

Der Arbeitstag begann um 7:00 Uhr mit dem Füttern der 165 Pferde. Danach hieß es Ställe einstreuen, Pferde pflegen, Pferde satteln und trainieren. Besonders die Arbeit mit den jungen dreijährigen Hengsten war nicht immer leicht. Die meisten kannten weder ein Halfter am Kopf noch den wirklichen Kontakt zum Menschen und mit ihrem Respekt war es auch nicht weit her. Für mich bedeutete das: Vorsichtsmaßnahmen und Aufmerksamkeit hoch zehn. Schon das Herausführen aus der Box war oft ein Abenteuer. Die Gefahr, dass ein Pferd auch mal in der Box ausschlägt, oder dass man an die Wand gequetscht wird, ist doch einigermaßen hoch. Mit Stahlkappenschuhen und Reithandschuhen – die Boxentür immer einen Spalt weit geöffnet – begegnet man mit einem leicht nervösen Gefühl dem aufgewühlten Junghengst und bemüht sich, ihm mit viel Ruhe und Bestimmtheit, ein Halfter über den Kopf zu streifen. 

pIMG_1474Der Reiterhof bot aber auch Reitunterricht und  Ferienfreizeiten für Kinder. Der Reitunterricht auf Schulpferden fand nachmittags statt. Schulpferde sind etwas anderes als Junghengste 🙂 – meist etwas älter, brav und geduldig. Aber auch ein Schulpferd kann sich erschrecken und losgaloppieren oder zur Seite springen. Meine Aufgabe war es, den Kindern beim Vorbereiten der Pferde zu helfen, also aus der Box führen, putzen, Hufe auskratzen, satteln. Während dieser Vorbereitung für den Reitunterricht musste ich immer viele Fragen der Schüler beantworten: von pferdetypischem Verhalten, über das richtige Reiten bis hin zur Pferdeanatomie. Einige Mal durfte ich während meiner Ausbildung auch Reitunterricht geben. Das hat mir besonders viel Freude gemacht. Auch Ausritte in die Umgebung gehörten zum Programm und am allerliebsten bin ich natürlich selbst mitgeritten 🙂 

Abends wurden Stallgassen und und Sattelkammern gefegt und aufgeräumt. Gegen 18 Uhr setzte ich mich dann auf mein Mofa und fuhr nach Hause. Oft fielen mir nach dem Abendessen die Augen zu: körperliche Arbeit macht doch sehr müde. Pferde müssen auch am Wochenende gefüttert und bewegt werden. Daher haben wir auch am Samstagen und Sonntagen gearbeitet, wobei während der Turniersaison diese Wochenendeinsätze schon einmal bis in den Abend dauerten. Im Winter war es natürlich oft sehr kalt und in Pferdeställen gibt es nun einmal keine Heizung. Da half nur: warmarbeiten! 

Irgendwann musste ich dann auf Grund der großen körperlichen Belastungen, die bereits erste Beschwerden mit sich brachten, einsehen, dass Pferdewirtin doch nicht mein endgültiger Beruf sein kann.

Daher entschied ich mich für meine zweite Leidenschaft, absolvierte mein Fachabitur als Gestaltungstechnische Assistentin und startete danach in meine Ausbildung als Mediengestalterin hier bei der Westfalen AG! Und ich muss sagen: es ist eine tolle Ausbildung, die mindestens so viel Spaß macht, wie die Ausbildung zur Pferdewirtin!
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Nach alter Gewohnheit sitze ich bereits gegen 7 Uhr an meinem Arbeitsplatz. So habe ich nachmittags Zeit für mein Hobby: das Reiten. Denn das Glück der Erde liegt nun einmal auf dem Rücken der Pferde. Wer das einmal erfahren hat, der kommt davon kaum wieder los. 🙂

Viele Grüße
Alina Bertels