Kennen Sie „Kuchenes“?

Auf unserer Reise durch Chile im Oktober und November 2019 sind auf meinem Reiseblog insgesamt zwölf Seiten Text entstanden. Für diesen Blog-Beitrag habe ich einige der schönsten Erlebnisse zusammengefasst. Wen die ganze Geschichte interessiert, der/die kann sie hier gerne nachlesen: http://danni-travels-on.blogspot.com/

Chile – zum Greifen nahe

Mein Mann René und ich haben viele Monate mit der Planung unseres Chile-Trips verbracht.
Angefangen hat alles im April mit der Buchung eines Fährschiffes von der Mitte bis zum Süden Chiles. Darum herum planten wir unsere Reise, die einen Abstecher in die Atacama im Norden, eine abenteuerliche Autofahrt auf der Carreterra Austral, den viertägigen Bootstrip und einen Aufenthalt in Süd-Patagonien beinhalten sollte. Nach ein paar Schwierigkeiten mit der Buchung einiger kleinerer Fähren für unseren Autotrip beschloss ich, weitere Hindernisse einfach hinzunehmen, zu relaxen und Änderungen des Trips im Zweifelsfall vor Ort einfach zuzulassen. Was könnte schon passieren – die Reise würde toll werden.

Sie müssen dazu wissen, dass diese Reise in meinem Kopf spukte, seit ich 16 war. René und ich planten unsere verspätete Hochzeitsreise daher nach Chile (wir haben im Oktober 2018 geheiratet) und waren beide sehr gespannt darauf.

Und dann passierte das Unerwartete: Eine Woche vor unserem Abflug gab es plötzlich gewaltsame Proteste in Santiago und anderen Großstädten. Und die chilenische Regierung reagierte nicht zimperlich, um der Proteste Herr zu werden. Das war zumindest das, was an spärlichen Informationen zu uns nach Deutschland drang.
Streiks wurden angekündigt und es war nicht sicher, ob unser Flug nach Chile überhaupt starten würde, geschweige denn der Flug am nächsten Morgen, um uns in die Atacama zu bringen. Wir beschlossen nach viel Überlegen, einfach so zu tun, als ob alles planmäßig laufen würde, nach Madrid zu fliegen und von dort weiter zu sehen. Und tatsächlich hoben alle Flugzeuge wie geplant ab und zwei Tage später kamen wir glücklich in der Atacama an.

Auf dem Mars

Es war 30° C, was für mich nicht unbedingt eine ideale Bedingung für eine Wanderung durch die Wüste darstellt. Unsere Gruppe wurde vom Fahrer irgendwo im Nichts abgesetzt. Von dort aus sollten wir eine flache, lange Sanddüne erklimmen. Die sehr trockene Luft und die Hitze setzten uns zu, aber als wir oben auf dem Cliff ankamen, erwartete uns eine fantastische Aussicht. Wir sahen auf ein Tal mit spannend geformten, braunen Klippen hinab, auf denen weißes Salz schimmerte. Es sah aus wie ein mit Puderzucker bestäubter Kuchen oder tatsächlich wie ein Tal auf dem Mars. Daher stammt auch der Name „Valle de Marte“ oder Mars-Tal.

Unser Guide Pedro erzählte uns viel Wissenwertes zum Mars-Tal, zur Kleinstadt San Pedro (unsere Basis) und die Kette von Vulkanen, die hier am Horizont die Anden bilden.

Nachdem wir eine Weile an der Cliff-Kante entlang gelaufen waren, sagte er uns, wir sollten eine kleine Felsstufe nutzen, um hinab zu steigen. Wir konnten sehen, dass unter der Felskante ein etwa zwei Meter breiter Sandweg verlief. Rechts davon ging es sehr weit nach unten – eine riesige Sanddüne hinunter. Ich erwartete, dass wir irgendwo einen gemächlichen Weg ins Tal finden würden. Plötzlich jedoch blieb Pedro stehen und verkündete sehr theatralisch, dass er nun Abschied von uns nehmen würde. Und dann lief er in großen Sätzen die Düne hinunter. Und wir alle hinterher. Großartig: mit Riesenschritten ging es nach unten.

Kuchenes a los Lagos

Der deutsche kulturelle Einfluss zeigt sich in Wörtern wie z.B. „Kuchen“, die die Chilenen im normalen Sprachgebrauch verwenden. Der Plural von Kuchen ist „Kuchenes“ .
Reich verziert, lecker und in riesigen Stücken, so haben wir die regionalen Backkünste kennengelernt. Die Region rund um die Stadt Puerto Montt ist berühmt für ihre „kuchenes“. Selbst ein Brasilianer, den wir in der Atacama getroffen haben, schwärmte mir davon vor.
Außerdem gibt es hier überall den fantastischen Pie de Limón (Zitronentarte), der streng genommen nicht zu den kuchenes zählt, aber ebenfalls mehrfach auf unseren Tellern landete.

Start auf der Carretera Austral

Vom Hotel in Puerto Varas aus hatten wir einen fantastischen Blick auf den großen Llanquihue-See mit zwei riesigen Vulkanen dahinter, dem Osorno und dem Calbuco. Zwischen diesen hindurch führte eine Straße, die uns im Halbkreis am Ufer des Reloncavi- Fjords entlang führen sollte und danach durch den Regenwald bis nach Hornopirén.
Google schätzte die Fahrt auf vier Stunden. Dank Starkregen, haufenweise Schlaglöchern und kaum asphaltierter Straße dauerte die Tour über sieben Stunden, aber wir bewiesen damit auch, dass man in Chile mit einer ganz normalen Limousine die schlammigen Hügel rauf und runter fahren kann und auch mit Schlaglöchern bestens klar kommt. Insgesamt ein tolles Abenteuer, das ich trotz aller Anstrengung wirklich genossen habe.

Auf der Navimag-Fähre nach Südpatagonien

Wir hatten die Navimag-Fähre von Puerto Montt nach Puerto Natales sehr früh im April bereits gebucht. Da das neue Schiff, das eigentlich im Herbst an den Start gehen sollte, nicht rechtzeitig fertig wurde, fuhren wir stattdessen mit der 40 Jahre alten „Evangelista“, die ihre letzte Saison bestritt. Einige Dinge an Bord waren wirklich etwas überholt, aber wir hatten Glück: Unsere Kabine ließ sich fehlerfrei abschließen, war gut zu lüften und das Warmwasser funktionierte. Was will man mehr?


Es gab nur einen Nachteil: unsere Kabine war die erste am Bug, direkt unter der Brücke. Bei hohem Wellengang bewegt sich das Boot hier viel heftiger als mittschiffs. Und das durfte ich hautnah miterleben. Am ersten Abend und den ganzen ersten Tag über war es sehr ruhig in den Fjorden an der Westküste von Chile. Am zweiten Abend sollten wir auf den Pazifik hinaus und danach durch eine stürmische Bucht (den „Golf der Schmerzen“) fahren.
Mir war schon auf dem ersten Stück ziemlich unwohl. Um den angekündigten sehr hohen Wogen in der Bucht zu entgehen, entschied ich mich für die Einnahme von Reisetabletten. Nachts um drei Uhr wurde ich dann wach und konnte den enormen Wellengang live miterleben. Es war wie in einer Achterbahn im Liegen.
Insgesamt sahen wir auf der Fahrt so viele tolle Dinge, dass es schwer zu beschreiben ist: Vulkane, Gletscher, Berge, Wasservögel, Kondore, hüpfende Robben, kleine und große Inseln, Sonnenauf- und untergänge, ein rostiges Schiffswrack aus den 1960ern und die kleine Stadt Puerto Edén, die mitten in der einsamen Fjordwelt liegt.

Pinguine nahe Punta Arenas

Punta Arenas ist bekannt für seine Ausflugsmöglichkeiten, um Pinguine, Wale und Delphine zu sehen. Die Wale waren leider Ende November noch nicht da, dafür aber Delphine und Pinguine, die ganzjährig in der Region leben.

Wir unternahmen einen Ausflug, um die Pinguininsel „Magdalena“ zu besuchen.
Hier führt ein lose mit Seilen eingegrenzter Weg hoch zum Leuchtturm der Insel und dann wieder zurück zum Anleger. Auf der Insel leben tausende, kleine, gefleckte Magellan-Pinguine und viele Möwenarten. Die Pinguine laufen ab und zu auch über die Wege, stimmen zu Trötgesängen mir ihrer/ihrem Liebsten an, klauen Grasbüschel in der Nachbarhöhle, um die eigene wohnlicher zu machen und sind wirklich sehr gesellig. Man will gar nicht mehr nach Hause.

Auf der Fahrt sah ich außerdem zwei Arten der hier heimischen Delphine, die hinter unserem Boot durch die Wellen sprangen. Die einen waren graue Austral-Delphine und die anderen die selteneren Commerson-Delphine (schwarz-weiß gefärbt, ein bisschen wie Orcas verkehrt herum).

Unsere Reise nach Chile war ein fantastisches Erlebnis, natürlich mit einigen Höhen und Tiefen, mit unfassbar vielen Tieren, atemberaubender Natur und tollen Menschen – nicht zu vergessen viel leckerem Kuchen.
Ich muss auf jeden Fall nochmal hin!

Herzlichst,

Daniela Fritze
aus dem Marketing

2 Kommentare Gib deinen ab

  1. Tino Nitsch sagt:

    Ein schöner Bericht mit tollen Bildern.
    Aber – wo ist das Kuchenes-Rezept? Habenwollen! (yammi)

  2. Holger Laugisch sagt:

    Danke für die tollen Eindrücke. Inspiriert sich Gedanken für eine eigene Reise zu machen.

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