Alle Beiträge von Christian Vach

Seit nunmehr 28 Jahren arbeite ich in der IT der Westfalen Gruppe. Meine Aufgaben sind breit gefächert: Programmierung , Datenbank-Administration, Konfigurierung und Betreuung von Software - vor allem im Tankstellenbereich - zählen zu meinen Tätigkeitsfeldern.
Netzwerk Hub

IT für Quereinsteiger und -denker

„Herr Vach, Sie kommen von der Universität und können mit den Dingern sicher was anfangen“ so lautete der Beschluss des damaligen kaufmännischen Vorstandes der Westfalen AG. Gemeint waren PCs.

Eigentlich hatte ich ja Mineralogie mit Schwerpunkt Kristallographie studiert. Für Mineralogen war die „Erfindung“ von Rechnern ein Segen, denn die Berechnung komplizierter Kristallstrukturen konnte bis dahin schon einmal Generationen dauern. Als Mineraloge kannte man sich daher mit Rechnern und Programmen aus. Eine Anstellung in der damals aufkommenden IT-Branche war nur folgerichtig, vor allem, weil der Bedarf an Mineralogen deutlich geringer war.

Bis dahin hatte ich mich bei Westfalen hauptsächlich mit der Programmierung einer multilinearen Regression für Großrechner (Unisys 1100 und später Unisys 2200) beschäftigt. Mein Programm diente der Bedarfsvorhersage. Heute melden die Versorgungseinheiten bei unseren Gasekunden den Bedarf per Datafer, damals mussten wir die Bedarfe noch vorhersagen. Aber eben so genau wie möglich :-) und computergestützt.

Vom Großrechner zum PC

Nun also Personal Computer. Die, wie der Name schon sagt – ganz anders als Großrechner – für die Bedienung durch nur eine Person konzipiert sind.

sperry
Meine Kollegen arbeiteten damals auf den Großrechnern 90/30 bzw. 2200 von Unisys. Die Unisys 90/30 war noch in Betrieb, weil auf der 2200 kein Programm für die Anlagenbuchhaltung vorhanden war. Möglicherweise eine Sparmaßnahme – das lässt sich heute wohl nicht mehr beurteilen. Um also die 90/30 abzulösen bekam ich die Aufgabe, auf einem PC eine neue Anlagenbuchhaltung für die Westfalen AG zu programmieren. Der PC hatte die gewaltige Ausstattung von 640 KB RAM (Arbeitsspeicher) und zwei 30-MB-Festplatten.
Ich lernte viel über Anlagenbuchhaltung und das von mir geschriebene Programm wurde bis zur Einführung von SAP eingesetzt.

Modern, power home desktop computer. PC system

Ausgestanzt

Auch die Ablösung von Lochkarten und Lochkartenstanzern sollte zu meiner Aufgabe werden. Mit solchen Stanzern wurden Daten erfasst, die erstellten Lochkarten wurden in die Großrechner eingelesen. 
Ich setzte mich mit der Funktionsweise dieser Geräte auseinander und schrieb in Turbo Pascal  ein Programm für MSDOS-Personal Computer (Windows gab es noch nicht). Um den Datenerfasserinnen den Umstieg auf den PC leicht zu machen, wurde das Programm vom Ablauf her der Arbeit an den Stanzern nachgebildet. Die erfassten Dateien wurden über serielle Verbindungen zur 2200 transportiert. Durch den Einsatz der PCs konnten Fehlerquellen minimiert werden, es wurde Zeit und Platz gespart.
Lochkarte

Neue Anforderungen, neue Übertragungswege, neue Zahlungsmittel

unisysEbenfalls über die Unisys 2200 lief die Abrechnung für unsere Tankstellenpartner. Unsere Partner sandten ihre Belege an Westfalen, wo sie erfasst wurden und so die Grundlage für die monatliche Abrechnung bildeten. Heute bekommen wir die Daten per elektronischer Datenübertragung.

Um für solche Anforderungen gewappnet zu sein, wurde damals ein Tankstellen Management- und Abrechnungssystem mit dem Namen TMAS eingeführt. Ein Multiuser Unix System und eine Oracle-Datenbank wurden installiert, die Software entwickelte die Firma CHW. Die Betreuung des Rechners und die Administration der Datenbank gehörte nun genauso zu meinen Aufgaben, wie die technische Unterstützung meiner Kollegen aus dem Bereich Tankstellen.

TMAS wird auch aktuell noch eingesetzt. Es wurde – teilweise auch durch mich – ständig erweitert und angepasst. Unsere Flottenkarte, die Westfalen Service Card, wird ebenfalls mit TMAS abgerechnet. Als elektronische Kassen an Tankstellen Einzug gehalten hatten und Karten zum gängigen Zahlungsmittel wurden, gründeten Westfalen, ELF und die Total (später kam die AGIP dazu) die WEAT GmbH.

Die Gesellschafter der WEAT stellten IT’ler ab, um Software und Schnittstellen zu konzipieren. Für mich war die Arbeit in diesem Gremium immer sehr interessant.

Vernetzt

Das erste Netzwerk der Westfalen AG habe ich zusammen mit einem Physiker geplant, der im Rechenzentrum der Universität Münster arbeitete. Die konkrete Umsetzung dieses Netzwerkes in einem Wirtschaftsunternehmen war für die Universität derart interessant, dass ich eingeladen wurde, einen entsprechenden Vortrag an der Universität zu halten.

Heute kümmert sich bei Westfalen innerhalb der IT eine ganze Gruppe von Mitarbeitern um die Hardware und Netzwerktechnik.

Zum guten Schluss

Ich könnte noch Vieles erzählen – von den ersten computergestützten Auswertungen und Statistiken für unsere betriebswirtschaftliche Abteilung, von der Einführung der ADS49 Anker bei unseren Tankstellenpartnern, den darauf folgenden notwendigen Support, über unsere Interbase Datenbank und Delphi für unser Tankstellen-Pricing, die Programmierung einer Anwendung für die Kunden unserer Westfalen Service Card, darüber wie man zum Spezialisten für die Übertragung mittels OFTP (Odette File Transfer) wird und, und, und.

So allmählich verabschiede ich mich aus meinem Arbeitsleben und von meinem langjährigen Arbeitgeber, der Westfalen Gruppe. Nach mehr als 25 Jahren Betriebszugehörigkeit mit einem weinenden und einem lachenden Auge.

Auch räumlich werde ich mich von Münster entfernen und mich in Deutschlands Norden nun intensiver meinem Hobby, dem Crossbikefahren widmen. Beibehalten werde ich ganz sicher mein Interesse an allem, was mit IT und Kommunikation zu tun hat. Meinen Kollegen und der Westfalen Gruppe wünsche ich weiterhin alles Gute, viel Erfolg und immer perfekte Datenströme :-)

Viele Grüße
Christian Vach

Header-Bild: #54367299 | © vschlichting – Fotolia.com
Desktop-PC: Datei: #55811574 | Urheber: Oleksandr Delyk– Fotolia.com
Lochkarte: #65995495 | © Schlichi – Fotolia.com
So geht's: Unsere Kollegin Anne Böckel, Mitarbeiterin an der Westfalen Tankstelle Weseler Str. 383 in Münster, zeigt, wie das kontaktlose Zahlen mit Smartphone funktioniert.

RFID und NFC: Kontaktlos zahlen

1989 schlossen sich Westfalen, Elf und Total in der WEAT zusammen. Etwas später kam als viertes Mitglied die AGIP dazu. Hintergrund war der wachsende Einsatz bargeldloser Zahlungsmittel im  Tankstellenbereich, also  die Bezahlung von Kraftstoffen oder Waren mit Kredit-,  ec- und Flottenkarten (zum Beispiel mit der Westfalen Service Card).  

Es war das Ende der bis dahin  eingesetzten mechanischen Registrierkassen. Heute werden PC-Systeme mit angebundenen Zahlungsterminals eingesetzt.  Diese Entwicklung hat mein Arbeitsleben entscheidend geprägt.  Was liegt also näher, als mich in meinem Blogbeitrag mit der neuesten Entwicklung auf diesem Gebiet zu befassen.

Near Field Communication: Kontaktlos zahlen 


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© ICP(BIA NFC), © Fotolia

Kartenzahlung mit Visa und anderen Karten sind  – denke ich – für die meisten Gäste unserer Tankstellen alltäglich geworden. Etwas anders verhält es sich beim kontaktlosen Zahlen mit dem Smartphone oder der Karte.

RFID und NFC

RFID (radio-frequency identification) bezeichnet eine Technologie für Sender-Empfänger-Systeme zum  automatischen und berührungslosen Identifizieren und Lokalisieren von Objekten mit Radiowellen. Die Abkürzung NFC steht für das um  sicherheitstechnische Prozesse erweiterte RFID-Verfahren. 

Kontaktlos zahlen mit Karte

Mit RFID ausgestattete Karten können zur kontaktlosen Zahlung ohne Unterschrift oder PIN-Nummer eingesetzt werden. Bei höheren Beträgen als 25 €  ist dann aber doch der PIN-Code notwendig.  Beim Zahlvorgang wird die Karte berührungslos vor ein Lesegerät gehalten. Wer eine mit RFID ausgestatteten VISA- und Mastercard hat, kann damit zum Bespiel an Westfalen Tankstellen kontaktlos zahlen. 

Kontaktlos zahlen mit Smartphone

Zum kontaktlosen Zahlen mit Smartphone werden bislang leider ausschließlich proprietäre Verfahren eingesetzt. Bei der Telekom nennt sich das Verfahren  MyWallet. Die Grundlage bildet das MasterCard PayPass System. Vergleichbare Systeme gibt es z. B. auch von Vodafone mit payWave und VISA Card. 

Beim Bezahlvorgang wird auf dem Smartphone die entsprechende  vom Telefonanbieter angebotene APP gestartet.  

Die gestartete APP
Die gestartete APP

Das Smartphone wird berührungslos an das Terminal gehalten. Das Terminal erkennt die zur APP bzw. zur SIM-Karte gehörige VISA- oder Mastercard, teilt dem Smartphone den Betrag mit und bucht diesen von der Kreditkarte ab. 

Beleg einer Zahlung mit MyWallet

Zum MyWallet-Verfahren der Telekom gehört üblicherweise eine Prepaid-Mastercard. Allerdings bietet die Telekom auch einen Kreditrahmen bis 500€ an. Dazu muss jedoch ein Identifikationsverfahren  durchlaufen werden.

Welche Technik wird benötigt?

Damit Sie mit Ihrem Telekom-Smartphone kontaktlos zahlen können, müssen folgende Voraussetzungen erfüllt sein: 

  1. Sie haben ein geeignetes Smartphone erworben 
  2. Das Smartphone ist Telekom-gebrandet 
  3. Die SIM-Karte ist gegen eine sogenannte NFC SIM getauscht worden

Es geht aber auch anders

Falls Ihr Smartphone diese Voraussetzungen nicht erfüllt, bleibt Ihnen die Möglichkeit, einen kleinen Aufkleber anzubringen. 

MyWallet, Vodafone Wallet und Aufkleber
MyWallet, Vodafone Wallet und Aufkleber

Die kleine rechts im Bild zu sehende Karte ist mit einer RFID ausgestattet und kann auf die Rückseite eines nicht mit NFC erhältlichen Smartphones geklebt werden. 

Bei der Telekom und auch bei Vodafone erhalten Sie zusätzlich eine Standard Prepaid Kreditkarte, um bei Händlern, die keine Möglichkeit zum  kontaktlosen Zahlen bieten, wie gewohnt mit der Karte zu zahlen. 

Persönlicher Test: Jede Menge Hürden

Bei meinem Sony XPERIA Z1 Compact ist es mir  nach einigen Telefonaten mit der Telekom nicht ganz ohne Hindernisse gelungen, das Smartphone für das kontaktlose Zahlen einzusetzen. Später kam ich auf die verwegene Idee, mein Z1 Compact zu verkaufen und mir das Nachfolgemodell Z3 Compact zuzulegen.  Der Wechsel auf das neue Smartphone funktionierte nicht reibungslos, obwohl meine NFC SIM-Karte die gleiche geblieben war. Aber auch hier wurden meine Geduld und Beharrlichkeit belohnt. Nach wiederum vielen Telefonaten mit der Telekom kann ich sagen: Es klappt wieder. 

Gründe für die Probleme waren unter anderem:  
  • die Tatsache, dass die NFC SIM inklusive der digitalen Mastercard nicht mir, sondern dem Smartphone zugeordnet war und 
  • die Tatsache, dass ich zwei NFC SIM-Karten mit der gleichen Telefonnummer in Gebrauch hatte.

Fazit

Aktuell erscheint mir das kontaktlose Zahlen mit dem Smartphone bzw. die notwendigen Voraussetzungen doch sehr aufwändig. Das wird sicher viele davon abhalten, diese Zahlungsart zu wählen. 

Um den Verbrauchern den Einsatz der neuen Technologie einfacher zu machen, sollten die Anbieter folgende Services anbieten:

  1. Auslieferung neuer Smartphones
    • mit NFC SIM, um dem Kunden einen Tausch zu ersparen
    • mit bereits in der NFC SIM installierter digitaler Kreditkarte
    • mit bereits installierter APP
  2. Zuordnung der NFC SIM zum Kunden und nicht zum Smartphone (dann kann das Smartphone problemlos durch ein neues Gerät ersetzt werden) 
  3. Aufladung der Prepaidkarte mit z. B. 20 Euro bei Auslieferung des Smartphones (als Anreiz, das kontaktlose Zahlen auszuprobieren)

Ich hoffe, mein Blog-Beitrag hat Ihnen ein wenig Wissen zum Thema „kontaktloses Zahlen“ vermittelt und Ihnen Ihre Entscheidung für oder gegen diese Zahlungsart erleichtert. 

Viele Grüße
Christan Vach